Pater Josef Dresselhaus wird 95
Ein Bild aus den aktiven Tagen in Afrika: Der schwarze Kontinent ist für Pater Dresselhaus (links) zur zweiten Heimat geworden.

Am Samstag (6. August) wird Pater Josef Dresselhaus 95 Jahre alt. Das wird an diesem Sonntag (7. August) gefeiert: in der Messe ab 8.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Joseph und bei einem Empfang ab 11 Uhr in der Liemker Schützenhalle.

Am 6. August 1916 wurde Josef Dresselhaus geboren. „Zu feiern der Jahre Schritte ist eine gute alte Sitte“, so einer der Wahlsprüche des Weltbürgers, der rund 50 Jahre in Afrika kirchliche und soziale Projekte auf den Weg brachte. Als ihm die Arbeit in seiner zweiten Heimat vor gut 20 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war, kehrte er schweren Herzens zurück nach Deutschland. Bis heute pflegt er vom Haus der Weißen Väter in Hörstel aus, in dem er seinen Lebensabend verbringt, enge Kontakte zu seinen afrikanischen Freunden.

Der Jubilar erinnert sich gut an den entscheidenden Schritt in seinem Leben, den Tag, an dem er dem Ruf der Weißen Väter folgte und in Afrika seine Berufung fand. Dabei schien zu Beginn seine Aufgabe in der afrikanischen Diözese Mzuzu fast unlösbar. Doch sein großer persönlicher Einsatz zahlte sich bald aus. Es entstanden Häuser, Schulen, Kirchen und eine Vielzahl an Projekten, die der Bevölkerung Bildung, Arbeit und ein menschenwürdiges Dasein brachten.

„Zum Wohl der Menschen zu arbeiten und dabei durchzuhalten, verdanke ich den Menschen, die mich mit ihrem Glauben und ihrer sozialen Verantwortung geprägt haben: meinen Eltern Josef und Maria, die auf dem Hof Dresselhaus in Liemke am Röwekamp ein rechtschaffenes Leben führten, und auch beeindruckenden Priesterpersönlichkeiten, denen ich als Kind und Jugendlicher begegnete“, sagt der Jubilar.

Mit 14 Jahren nahmen ihn die Weißen Väter in das Pro-Gymnasium in Rietberg auf. Krieg und Gefangenschaft hielten ihn zunächst davon ab, Theologie zu studieren. Zu allem Überfluss brachte er aus der Gefangenschaft eine schwere Malaria-Infektion mit.

Doch auch das hielt ihn nicht von seinem Ziel ab: Josef Dresselhaus trat bei den Weißen Vätern ein, nahm das Theologiestudium zunächst in Holland, dann in Schottland auf und wurde 1954 vom Erzbischof von Edinburgh Josef Gray in Galashiels (Schottland) zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er in St. Marien Kaunitz unter großer Anteilnahme der Gemeinde.

Mit 18 vollgepackten Seekisten trat Pater Josef Dresselhaus nur wenige Wochen nach seiner Primiz die Seereise nach Afrika an. Doch nach einer Bootshavarie kam er mit nur einer Kiste in Afrika an: Es war die mit seinen Gewändern.

Der Ordensmann stand buchstäblich vor dem Nichts. Das entsprach auch der Situation in allen seinen 15 Missionsstationen: „Es gab weder Schulen noch Kirchen.“ Doch Aufgeben war noch nie die Sache des charakterstarken und tief religiösen Geistlichen.

Im Handumdrehen eroberte der Jubilar die Herzen der Afrikaner, denen er mit Achtung und Offenheit begegnete. Er weckte Begeisterung, und so entstanden Schulen, Kirchen und Krankenstationen, Häuser und Wasserversorgungen.

Wie viele selbst gebrannte Steine durch seine Hände gegangen sind, kann er beim besten Willen nicht mehr sagen. Pater Dresselhaus konnte immer auch mit der Unterstützung seiner Heimat rechnen: So musste er bald die Diözese nicht mehr mit dem Fahrrad abstrampeln, sondern erreichte die Stationen etwas bequemer mit einem Miele-Kleinkraftrad, später mit einem DKW.

Mehr als 100 Schulen und Kirchen wurden allein durch die finanzielle Unterstützung der Kaunitzer und Liemker fertiggestellt. „Sie haben mich nie im Stich gelassen“, sagt Pater Dresselhaus. Nur deshalb habe er so viel bewirken können.

Auch im Ruhestand gönnt sich der Priester aus Leidenschaft kaum eine Ruhepause. Weiterhin unterstützt er aktiv „seine“ ehemalige Diözese. In engem Kontakt zu Bischof Zuza aus Mzuzu organisiert er die Unterstützung der afrikanischen Christen, doch vor allem die der Aids-Waisen in Malawi.

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