Pianist mit dem Schalk im Nacken
Pianist Sorin Creciun gestaltete ein abwechslungsreiches Programm und begeisterte damit seine Zuhörer.

Ein gelungenes Experiment wird mit 300 Zuhörern fortgesetzt, die Verbindung von Kultur und Industrie. Die Initiative ergriff Dr. Dieter Dresselhaus, Geschäftsführer der Firma Hora, der das Ausnahmetalent in Berlin gehört hatte.

Begeistert stimmte der Kulturkreis zu und präsentierte die gemeinsame Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums. Zum Auftakt ließ Creciun die Sonate in D-Dur von Joseph Haydn mit einem wunderbaren Legato-Spiel klanglich erblühen.

Ganz unprätentiös erarbeitet er ihren liedhaft-kantablen Charakter und wirkt damit dem oft gehörten Klischee entgegen: der Unscheinbarkeit Haydnscher Klavierwerke. Dynamische Akzente setzend, verklangen im dahin eilenden Tempo die letzten Akkorde im Presto. Fast ohne Pause agierte dann der junge Pianist mit einem Bravourstück von Franz Liszt: der „Rhapsodie espagnole“, die zu den allerschwersten Klavierwerken zählt. In geradezu unerhörter Gelassenheit verarbeitete Creciun die spanische Tanzweise, die Folia im Dreivierteltakt und die schwingende arragonische Jota.

Weit entfernt von einer trivialen Interpretation, entwickelte er die rhythmischen Vertracktheiten und vielen Akkordfolgen. Gerade Gesagtes traf auch für seine Überraschung, den „Türkischen Marsch“ von Wolfgang Amadeus Mozart zu. Die Transkription des russischen Klaviervirtuosen Arcadi Volodos zählt zu den witzigsten dieses Genres: Sie schichtet und verfremdet Originalteile und forderte weitaus mehr als exakte Technik vom Interpreten. Es war, als säße dem Pianisten der Schalk im Nacken.

Dazwischen gab es Entspannendes, sowohl für Creciun als auch für den Zuhörer, die innige „Canicone i Danza Nr. 1“ des weithin unbekannten spanischen Komponisten Federico Mompou. Alles Schmuckhafte entbehrend, erinnert die minimalistische Musiksprache an ein impressionistisches Gemälde.

Abwechslungsreich wie das Programm erwiesen sich auch die Fähigkeiten Creciuns. In seiner eigenen Komposition, der kurzweiligen „Fantasie“, begegneten sich klassische Musik und Jazz. Ganz und gar jazzig wurde es in bekannten Hits wie „Take five“ und „Tea for Two“. Beide Genres, gepaart mit einem improvisatorischen Talent, ließ er zu einem musikalischen Erlebnis werden. Das begeisterte Publikum sparte nicht mit Applaus.

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