Politiker ringen um Passivhaus-Standard
Bild: Walkusch
Auf dem Feld an der Straße Auf dem Stempel in Gütersloh soll die Kreishaus-Erweiterung gebaut werden. Die Frage ist nur: Passivhaus-Standard oder lediglich daran orientiert? Der Auslobungstext wurde nun dahingehend geändert, dass der Standard erfüllt wird.
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Konkret ging es um den Auslobungstext für den Architektenwettbewerb. Wie bereits berichtet, hatte die Verwaltung geschrieben, dass ein ausdrücklicher Passivhaus-Standard nicht vorgesehen sei. In der Sitzung des Kreisausschusses erläuterte Architekt Oliver Erdmann vom Büro Bauwerkstadt, das beratend tätig war, warum er lediglich eine passivhausorientierte Bauweise empfohlen hatte.

Denn für den Standard sei außer Gebäudehülle und Technik auch das Nutzerverhalten ausschlaggebend. Wenn es dafür aber noch keinen Entwurf gebe, müsse man das vorher schätzen. Das könne im Nachhinein zu Problemen führen, beispielsweise wenn Räume beheizt werden, die eigentlich kühl sein müssten. Außerdem sei da noch die Frage der Zertifizierung, die man nur bekomme, wenn man auch bestimmte Handwerker beauftrage. Jedoch seien viele Unternehmen in der Region nicht zertifiziert. Davon unabhängig sei aber, ob ein Gebäude Passivhaus-Standard habe oder nicht.

Entsprechend hatte die Verwaltung den Auslobungstext formuliert. Das wollten Grüne und SPD aber nicht so stehenlassen. „Wir haben alle das Passivhaus-Projekt beschlossen“, zeigte sich Birgit Niemann-Hollatz (Grüne) verärgert. „Wir wollen etwas Vorzeigbares“, sagte auch Liane Fülling (SPD). „Passivhaus-Standard sollte das Maß aller Dinge sein.“ Die Kreishaus-Erweiterung sollte sich nicht nur an dem Standard orientieren, sondern ihn erfüllen. Die CDU betonte ebenfalls, dass sie den Passivhaus-Standard wolle, aber eine Zertifizierung erstmal offen lassen wolle.

Ebenfalls anwesend war Kurt Gramlich von der Bürgerinitiative Energiewende, der aber in der Sitzung selbst kein Rederecht hatte. Durch Zwischenrufe seinerseits wurde aber deutlich, dass er die Argumente Erdmanns nicht gelten lassen wollte. Auf einem Zettel, den sein Kollege den Grünen reichte, stand, dass für eine Zertifizierung nicht zwangsläufig zertifizierte Bauteile und Unternehmen notwendig seien, wie Gramlich im Gespräch mit der „Glocke“ sagte. Außerdem gebe es Standard-Werte, die man für das Nutzerverhalten heranziehen könne.

Nach einer erhitzten Diskussion änderte Ingo Kleinebekel, Dezernent für den Bereich Personal, Finanzen und Zentrale Dienste, die Textzeile in: Die Bausubstanz hat Passivhaus-Standard zu erfüllen. Ein Heizwärmebedarf von 15 Kilowatt pro Stunde und Quadratmeter wird angestrebt.

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