Polizei geht gegen Unfallfluchten vor
Bild: Walkusch
Vor allem auf Supermarkt-Parkplätzen kommt es immer wieder zu Unfallfluchten. Auf das Thema machen (v. l.) Oliver Speicher (Inhaber des Haller Marktkaufs), Heiko Patzelt (Leiter der Führungsstelle Verkehr, Uwe Ahlemeyer (Chef der Polizeiwache Halle) und Christoph Ingenohl, Leitender Polizeidirektor, aufmerksam.
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Die Kreispolizeibehörde hat sich nun auf die Fahnen geschrieben, Unfallfluchten stärker zu bekämpfen. Das ganze Jahr über werden Polizeibeamte in verschiedenen Supermärkten im Kreisgebiet mit Infoständen vertreten sein und erläutern, was zu tun ist, wenn es mal zu einem Zusammenstoß gekommen ist.

Aber warum führt die Polizei die Kampagne gerade in Supermärkten durch? „Von den 11 .55 Unfällen im vergangenen Jahr im Kreisgebiet haben sich gut sieben Prozent auf Lebensmittelmarkt-Parkplätzen zugetragen“, sagt der Leitende Polizeidirektor Christoph Ingenohl. Konkreter heißt das: 837-mal hat es dort gekracht.

Die Aufklärungsquote für Unfallfluchten insgesamt liegt bei 37,66 Prozent. „Meist hat dann ein Zeuge das Autokennzeichen notiert.“ Mit der niedrigen Aufklärungsquote geben sich die Ordnungshüter nicht zufrieden. „Bei einer Unfallflucht handelt es sich um eine Straftat, die wir verfolgen müssen“, betont Ingenohl. „Ein Zettel an der Windschutzscheibe reicht auf keinen Fall.“

Denn man könne nicht sicherstellen, dass der Geschädigte auch die Nachricht bekomme. Wenn es jetzt doch einmal passiere und man in Eile sei, dann solle man zumindest die Polizei informieren und das eigene Kennzeichen sowie das des Geschädigten durchgeben, so der Leitende Polizeidirektor. Übrigens müsse auch gemeldet werden, wenn man einmal die Autotür zu weit aufreiße und eine Macke ins Nachbarauto mache. Denn auch die Neulackierung einer Tür könne richtig ins Geld gehen. Und auf den Kosten bleibe bei einer Unfallflucht der Geschädigte sitzen. „Dabei ist eine Entschädigung über die Versicherung gewährleistet“, sagt Ingenohl.

Womit man als Verursacher allerdings rechnen müsse, sei ein Verwarngeld der Polizei. „Jedem Unfall geht ein Fehlverhalten voraus“, so der Polizeichef. Ob es nun Unachtsamkeit oder etwas anderes sei – das müsse geahndet werden. Allerdings, betont Ingenohl, hätten die Beamten in bestimmten Situationen auch die Möglichkeit, lediglich eine mündliche Verwarnung auszusprechen. Das sei aber alles besser, als dass ein Strafverfahren gegen einen eingeleitet werde. Sollte es dann nämlich doch einen Zeugen geben, der das Kennzeichen notiert hat, wären die Konsequenzen schlimmer.

Die erste Station für die neue Aktion der Polizei hat am Freitag nicht ohne Grund am Marktkauf in Halle stattgefunden. Auf dem dortigen Parkplatz wurden vergangenes Jahr 13 Macken an Autos gemeldet – Verursacher nicht ermittelt.

Die meisten Unfallfluchten wurden allerdings nicht in Halle, sondern in Gütersloh vergangenes Jahr gemeldet. Das hänge wahrscheinlich einfach mit der Größe der Stadt und der Zahl der zugelassenen Fahrzeuge zusammen, sagt Ingenohl. 325-mal machten sich 2019 Verursacher in der Dalkestadt einfach aus dem Staub, ohne sich um den Schaden zu kümmern oder sich zu melden. Auch dort sind es vor allem die großen Supermärkte, auf deren Parkplätzen es öfter mal krachte. Auf Platz zwei folgt Rheda-Wiedenbrück mit 149 Unfallfluchten.

Die Kreispolizeibehörde hatte mit zahlreichen Lebensmittelmarkt-Betreibern Kontakt aufgenommen. Viele seien direkt bereit gewesen, sich an der Aktion zu beteiligen und Polizisten die Möglichkeit zu geben, an einem Infostand über Unfallfluchten aufzuklären.

„Wir gehen davon aus, dass die Zahl der gemeldeten Fälle dieses Jahr steigt“, sagt Ingenohl. Er rechne damit, weil das Thema durch Plakate und Infostände mehr Aufmerksamkeit bekomme. Im Gegenzug – so hofft der Leitende Polizeidirektor – könnte aber auch die Zahl der Zeugen steigen und somit die Aufklärungsquote.

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