Rote Fahne trifft auf Widerstand
Erzbischof Longin von Klin, der ständige Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, hat die Düsseldorfer Landesregierung zur Revision ihrer Pläne aufgefordert.

Gegen die von der rot-grünen Landesregierung angekündigte Abnahme des Kreuzes vom Obelisken auf dem Ehrenfriedhof formiert sich Protest. Die russisch-orthodoxe Kirche in Deutschland meldet nach eigenen Angaben „entschiedenen Widerspruch“ an.

Auf Antrag der CDU muss sich die Landesregierung am Donnerstag im Landtag erklären. Wie berichtet, will Düsseldorf das orthodoxe Kreuz vom Obelisken entfernen und durch die Glasplastik einer roten Fahne ersetzen. Mit einer solchen Spitze war das Mahnmal im Jahr 1945 nach der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 eingeweiht worden. Der Austausch soll nach dem Willen der Landesregierung erfolgen, ohne dass schon klar wäre, was mit dem Kreuz geschieht.

Am 7. April Thema im Landtag

Auf Initiative von Dr. Michael Brinkmeier kommt die Angelegenheit am 7. April im Hauptausschuss des Landtags zur Sprache. Der CDU-Abgeordnete aus Rietberg hatte nach dem Bekanntwerden der Pläne seinen Protest angekündigt und gesagt: „Ich will nicht, dass die Flagge der Sowjetunion über Schloß Holte-Stukenbrock weht.“

Auch der Petitionsausschuss des Parlaments wird sich bald mit dem Thema befassen müssen. Der Stukenbrocker Diakon und pensionierte Lehrer Bringfried Schubert kündigte eine Eingabe an. Die „Stalin-Flagge“ sei nicht hinnehmbar, sagte er. Einzelheiten seiner Petition wollte er noch nicht verraten.

„Völlige Unkenntnis der Geschichte“

Die orthodoxe Kirche teilte mit, sie habe die Landesregierung am 30. März zur Revision ihrer Entscheidung aufgefordert. Der ständige Vertreter in Deutschland, Erzbischof Longin von Klin, erklärte, die rote Fahne wecke „die Erinnerung an hunderttausend unschuldige Menschen“, die unter ihr „ihren bestialischen Tod in der Sowjetunion fanden“. Außerdem stehe sie für die „Vernichtung der Religion in der UdSSR“. Der Erzbischof hat nach eigenen Angaben die Vertreter der anderen christlichen Kirchen aufgefordert, gleichfalls gegen die „Entweihung des christlichen Heiligtums“ zu protestieren.

Der Generalsekretär der orthodoxen Bischofskonferenz, Nikolaj Thon, erklärte zur geplanten Abnahme des Kreuzes: „Diese Idee zeugt von völliger Unkenntnis der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts – für mich ist das einfach nur ein Skandal.“ Die Fahne sei Symbol „millionenfachen Leids“. Es könne nicht hingenommen werden, das christliche Symbol der Hoffnung durch dasjenige einer überwundenen Diktatur zu ersetzen.

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