Runder Tisch Werkverträge auf gutem Weg
Bild: Sudbrock
Bilanz: Zweieinhalb Jahre nach dem ersten Treffen des Runden Tischs Werkverträge haben Mitglieder des Gremiums im Rhedaer Rathaus Resümee gezogen. Vieles habe man bereits erreicht, waren sich (v. l.) Uwe Henkenjohann (CDU), Christiane Wrede (Vertreterin der Kirchengemeinden), Eberhard Greufe (Stadtverwaltung), Prof. Katrin Möltgen (Imap-Institut), Martin Blumentritt (Fleischwerk Tönnies), Almuth Stork (IG Werkfairträge) und Bürgermeister Theo Mettenborg einig.
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CDU-Fraktionschef Uwe Henkenjohann sieht jetzt vor allem das Düsseldorfer Imap-Institut am Zug. Der Stadtrat hatte die Beratungsgesellschaft, die seit 2002 bundesweit vor allem Kommunen bei der Entwicklung neuer Organisationsstrukturen unterstützt, mit der professionellen Begleitung des Integrationsprozesses der zumeist osteuropäischen Werkvertragarbeitnehmer beauftragt. Bislang seien die Imap-Vertreter allein mit der Bestandsaufnahme beschäftigt gewesen, sagte Henkenjohann.

 „Die Analyse des Ist-Zustands hat relativ lange gedauert“, kritisierte der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion. Jetzt müssten die Experten Vorschläge für das weitere Vorgehen liefern. „Dazu gehört es auch, das Gespräch mit der Firma Tönnies zu suchen“, betonte Henkenjohann. „Wir müssen wissen, wie sich das Unternehmen in den kommenden zehn Jahren aufstellen will.“ Denn davon hänge die weitere Entwicklung des Zustroms osteuropäischer Werkvertragsarbeiter ab. Auch die Frage, ob die Viertelmillion, die Stadt und Fleischwerk pro Jahr in die Integration der Rumänen, Polen und Bulgaren investieren, auf Dauer ausreicht, müsse beantwortet werden. Henkenjohann: „Wir müssen langsam, aber sicher in ein Fahrwasser kommen, in dem wir Entscheidungen mit Blick auf die Zukunft treffen können.“

Ob Wohnraumkontrolle, Willkommensagentur, Sozialberatung oder Sprachförderung – die bereits in den Stiel gestoßenen Projekte seien allesamt sinnvoll, bescheinigte Prof. Katrin Möltgen vom Imap-Institut den Akteuren des Runden Tischs. Die Angebote müssten aber besser miteinander vernetzt werden, um Hilfen noch gezielter vermitteln zu können. Zudem müsse die Frage erlaubt sein, ob der Runde Tisch aufgrund seiner Größe das geeignete Gremium sei, um den Integrationsprozess langfristig zu steuern. „Womöglich machen andere Organisationsformen mehr Sinn“, erklärte die Vertreterin des Imap-Instituts. Weitergehende Handlungsempfehlungen kündigte sie erst für die Jahre 2017 und 2018 an.

Verlässliche Strukturen schaffen

Die Sensibilität für die auf 4000 Personen angewachsene Bevölkerungsgruppe der Werkvertragsbeschäftigten sei in den zurückliegenden Jahren deutlich gestiegen, bilanzierte Volker Brüggenjürgen als Vertreter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Das ist bei allen noch zu lösenden Problemen der Haupterfolg des Runden Tischs.“ Niemand dürfe der Illusion erliegen, dass der Großteil der Strecke schon bewältigt sei. Brüggenjürgen: „Wir stehen immer noch am Anfang.“

Martin Blumentritt (Firma Tönnies) sah es ähnlich. „Niemand kann erwarten, dass wir die volle Teilhabe der Werkvertragsarbeitnehmer am gesellschaftlichen Leben bereits nach zwei oder drei Jahren erreichen.“ Dieser Prozess brauche mehr Zeit. Das Unternehmen Tönnies als größter, aber nicht einziger Betrieb in der Stadt, in dem Werkvertragsbeschäftigte zum Einsatz kommen, werde sich seiner sozialen Verantwortung auch in Zukunft stellen. Es müssten verlässliche Strukturen geschaffen werden, die es den überwiegend aus Osteuropa stammenden Menschen ermöglichen, ihre Rechte durchzusetzen und die ihnen zustehenden staatlichen Leistungen in Anspruch zu nehmen. In diesem Zusammenhang wies Blumentritt darauf hin, dass bis Ende Juni alle Werkvertragsbeschäftigten bei Tönnies Verträge nach deutschem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht erhalten. Man arbeite nur noch mit deutschen Subunternehmern oder ausländischen, die in der Bundesrepublik eine Niederlassung betreiben, zusammen.

Aus Sicht von Almuth Stork (Interessengemeinschaft Werkfairträge) bleibt dennoch viel zu tun. Das Mitspracherecht der Werkvertragsbeschäftigten im Unternehmen müsse erhöht und die Möglichkeit, an den angebotenen Sprachkursen teilzunehmen, verbessert werden. „Spontane Überstunden“ erschwerten das Erlernen der deutschen Sprache. Zugleich bedauerte Almuth Stork, dass die IG seit Beginn der städtischen Wohnraumkontrollen kaum noch Zugang zu den entsprechenden Immobilien erhalte. „Wir müssen uns daher auf die Aussagen der Stadt verlassen.“

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