Schülertheater zur Stalag-Geschichte
Rund 50 Schüler stehen für „Die Masse“. In dem Stück „Gefangen – Erinnerungen an eine Zeit vor meiner Zeit“ agieren sie mal als die Täter, mal als die Opfer.

Manchmal ist Geschichte „zu weit weg“, „zu lange her“, „zu langweilig“. Nicht so für die Mitwirkenden des Drei-Schulen-Theaters „3ST“ (ausgesprochen: dreist). Das Stück handelt von der Historie des ehemaligen Lagers Stalag 326 in Stukenbrock-Senne, in dem während des Zweiten Weltkriegs Tausende, überwiegend sowjetische Kriegsgefangene zu Tode kamen.

Die Dokumentationsstätte ist heute ein Ort der Erinnerung. Um Erinnerungen geht es auch in dem Stück, das nicht nur auf Fakten beruht, sondern auch in eine fiktive, spannende Handlung aufweist. Ein Kernteam von 16 Jugendlichen hat das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Historiker Oliver Nickel und Manfred Büngener, dem Vorsitzenden der Dokumentationsstätte, anhand von umgeschriebenen biografischen Texten erarbeitet.

Die unfassbaren Verbrechen, die im eigenen Heimatort stattgefunden haben, greifbar und sich gegen das Vergessen stark zu machen, das ist das Ziel des Theaterprojekts. Im Vorfeld der Inszenierung haben sich die Schüler eingehend mit der Lagergeschichte beschäftigt. Das Ensemble wird von den Theaterpädagogen Canip Gündogdu, Daniel Scholz und Demokrat Ramadani von der Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater Nordrhein-Westfalen geleitet.

Die Lehrerinnen der Realschule Claudia Brehl und Daniela Hartmann, Angela Weber und Andrea Srowig von der Lisa-Tetzner Schule sowie Ute Gehling vom Gymnasium unterstützen und begleiten das Projekt. Viel Lob gibt es seitens der Lehrerschaft und der Organisatoren für die Bereitschaft der Jugendlichen, ihre Freizeit den zeitaufwendigen Proben, die im November begonnen haben, zu widmen.

Die Ausgangssituation der Handlung: Ein Museum der Dokumentationsstätte steht kurz vor der Schließung. Conny, die Leiterin, ist verzweifelt. Ihr Großvater, ein ehemaliger Kriegsgefangener, leidet an Demenz und kann das Erlebte nicht mehr weitergeben. Deshalb greift Conny zu drastischen Maßnahmen. Sie nimmt eine Schülergruppe gefangen und zwingt sie, sich in einem Strafkursus mit den Geschehnissen in der Heimat auseinanderzusetzen.

Das Theaterprojekt wird vom nordrhein-westfälischen Familienministerium (15.000 Euro), vom Netzwerk Gewaltprävention des Kreises Gütersloh (1600 Euro), von der Spadaka (1000 Euro), aus dem Etat der Schulen und vom Förderverein der Realschule finanziert. Das Stück feiert am Freitag, 28. März, in der Aula der Realschule seine Premiere.

Weitere Aufführungen gibt es am Samstag, 29. März, sowie Mittwoch und Freitag, 2. und 4. April. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Die Gründung der schulübergreifenden Theater-AG im Jahr 2009 geht auf eine Initiative des Jugendparlamentes unter der Federführung des damaligen Abiturienten Demokrat Ramadani zurück. Mit diversen Projekten wurden deutschlandweit große Erfolge erzielt.

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