Schuldnerberatungen sorgen sich um Kinder
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Auch wenn sie noch klein sind, so bekommen Kinder, deren Eltern in einen finanzielle Krisensituation kommen, viel von deren Belastung mit. Die Schuldnerberatungsstellen im Kreis Gütersloh warnen vor den Folgen.
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Egal, ob die Eltern unverschuldet oder verschuldet in die Krisensituation geraten sind: Alle Familienmitglieder sind von einer Überschuldung betroffen. Die Corona-Krise habe das noch verstärkt und zeige, wie groß die Belastung für die Jüngsten in unserer Gesellschaft ist, mahnen die Träger der Beratungsstellen der Diakonie im Kirchenkreis Halle, der Diakonie Gütersloh sowie des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM).

„Die Existenzängste der Eltern nehmen alle in der Familie wahr. Das Gefühl der Unsicherheit lässt sich nur bedingt überspielen und überträgt sich auch auf die Kinder“, stellt Schuldnerberaterin Karin Kleinert von der Diakonie Halle fest. Zwar gebe es Stellschrauben, um gerade ihnen zu helfen. Allerdings sei es oft sehr mühsam und unübersichtlich für die Eltern, entsprechende Informationen zu erhalten. Es gibt offiziell zwar Instrumente wie Erziehungsgeld, Grundsicherung, Kindergeld, Kinderzuschlag, Unterhaltsvorschuss, BAföG für Schüler und Studenten oder Stipendien. Doch bei manchen dieser Hilfen handele es sich letztlich um Mogelpackungen, so die Beratungsstellen. Denn Kindergeld, Unterhaltsvorschuss und Elterngeld werden direkt wieder vom Arbeitslosengeld II abgezogen. Arbeitnehmer bekommen diese Leistungen also „on top“, Grundsicherungsempfänger nicht. Sie bleiben immer beim Existenzminimum.

 Das kann in der Regel aber nur die aller nötigsten Ausgaben decken. Extras wie Geburtstagsgeschenke oder Besuche bei entfernt wohnenden Verwandten können davon kaum gestemmt werden.

Patchwork-Familien sind besonders betroffen: Bei Pfändungen werden die geleisteten Unterhaltsleistungen für nicht leibliche Kinder nicht berücksichtigt. Andererseits wird das Einkommen der neuen Elternkonstellation zusammengerechnet. Die Partner stehen faktisch füreinander ein, dies wird aber vollstreckungsrechtlich nicht berücksichtigt.

„Dies sind nur ein paar Aspekte, die dazu führen, dass Kinder in überschuldeten Haushalten kaum die Möglichkeit haben, ein finanziell abgesichertes Leben zu führen“, erläutert Christa Birkner von der Diakonie Gütersloh. „Kindheit ist die Zeit, in der die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Lernen in einer fördernden Umgebung, Sport, künstlerische Bildung, Freizeitangebote, all das bleibt oft auf der Strecke“, ergänzt Rainer Bartonitschek, vom Sozialdienst (SKFM). Viele Kinder stecken zurück, um ihren Eltern nicht noch mehr Sorgen zu machen. Sie übernehmen viel zu früh zu viel Verantwortung.“

Beratungsstellen, die weiterhelfen

Die Schuldner- und Insolvenzberatung wird vom Kreis Gütersloh, die Insolvenzberatung vom Land Nordrhein-Westfalen finanziell gefördert. Die Beratungsstellen im Kreis Gütersloh halten ein flächendeckendes und ortsnahes Beratungsangebot vor und sind wie folgt erreichbar:

Diakonie Gütersloh: Beratungsangebot für Gütersloh, Herzebrock-Clarholz, Langenberg, Rheda-Wiedenbrück, Schloß Holte-Stukenbrock und Verl. Kontakt für Familien aus Gütersloh:   05241/98673130; aus Verl:   05241/98673140; aus Rheda-Wiedenbrück: 05242/ 931173120 oder über die Internetseite: www.diakonieguetersloh.de/leistungen/beratung/schuldnerberatung.

Diakonie im Kirchenkreis Halle: Beratungsangebot für Borgholzhausen, Halle, Harsewinkel, Steinhagen, Versmold und Werther. Familien aus Halle melden sich unter  05201/18473 oder über die Internetseite: www.diakonie-halle.de/beratung/schuldner-und-insolvenzberatung.

Sozialdienst katholischer Frauen und Männer für den Kreis Gütersloh: (Beratungsangebot für Herzebrock-Clarholz, Langenberg, Rheda-Wiedenbrück und Rietberg unter  05242/ 9020550 oder im Internet unter https://skfm-kreisgt.de/schuldnerberatung. 

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