Sehen, hören und genießen auf Gut Geissel
Bild: Kreyer
Starke Stimme: Die aus Mastholte stammende Sängerin Anita Schnitker hatte - begleitet vom Osnabrücker Saxophon-Quintett  auf Gut Geissel ein Heimspiel.
Bild: Kreyer

 Seit langem ausverkauft, waren selbst die letzten Stehplätze am Samstagabend rasch besetzt als es hieß: Bühne frei für das Osnabrücker Saxophon-Quintett.

Angereist kam es mit vokaler Verstärkung: Für die aus Mastholte stammende Sängerin Anita Schnitker war es ein Heimspiel und eine Begegnung mit vielen Bekannten, darunter ihrer langjährigen Freundin Marita Petermeier-Schnieders, der Schatzmeisterin des Langenberger Vereins, die mit viel Engagement den musikalisch-kulinarischen Abend organisiert hatte. Sie dankte den Jazzern für „ihren Auftritt in der Provinz“.

Nach kurzer Aufwärmphase und Einstimmung mit swingenden Saxophonklängen kam Schnitker auf die Bühne. Energischer Schritt, forscher Blick aus großen Augen – schon begann die Sängerin mit mitreißender Stimme die kühle Deele zu erwärmen. Kein Zweifel, mit „Summertime“, Gershwins legendärem Titel aus „Porgy and Bess“, ließ sie Wind und schlechtes Wetter vergessen. Begeisterte Pfiffe und satter Applaus honorierten eine seelenergreifende Interpretation.

Derart angespornt, sorgten die Musiker und Anita Schnitker mit ihrer geschmeidigen und warm kreisenden Stimme dafür, dass Cole Porters Vocal-Standard „I Get A Kick Out Of You“ zum Hörerlebnis wurde. Da offenbarten die vielen Jahre, die die Sängerin als Vokalistin bei der Osnabrücker Bigband „Tuten und Blasen“ war, ihre wandlungsfähige Stimme.

Während die Fußball-Fans bei der Weltmeisterschaft mitfieberten, folgten die Jazz-Fans in Langenberg genussvoll einem Exkurs in den Latin-Jazz. „Denken Sie sich sonniges Wetter“, forderte die Sängerin, wippte mit den Hüften und bot heiße Rhythmen. Klasse, wie flexibel sie von einem Genre zum anderen wechselte und sich mit Esther Ofarims unvergessenem „Sommerwind“ zum deutsch gesungenen Lied bekannte. Dynamisch austariert gab sich die Band als Begleiter. Ob als fetziges Saxophon-Quintett in „Fascinating Rhythm“ (Gershwin) oder im groovenden Sound mit Wolfgang Geres (Gitarre), Christian Heymel (Bass) und Iring Bromisch (Drums), dieses Quintett ist authentisch, so lässig wie cool. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt mit köstlichen Speisen und Getränken aus der „Domschenke“ in Mastholte . Was braucht die Seele mehr? Brot und Spiele, Musik und Genuss – und das alles in exzellenter Aufbereitung.

Schmucke Stücke in altem Fachwerk

Zwei Stunden vor dem Konzert öffnete die Galerie Gut Geissel zu ihrer zweiten Ausstellung die Türen des umgebauten Pferdestalls. Mehr als 100 Kunstfreunde ließen sich von der „Trilogie Schmuck, Fotografie und Keramik“ verzaubern. „Kontrastreiche und spannende Verbindungen“ gingen laut Hausherrin

 Anne Geissel die afrikanischen Impressionen auf den großformatigen Fotos von F. J. Hering mit den keramischen Objekten der Schweizer Künstlerin Gabriella Picci ein. Dazu gesellten sich die kostbaren, feinsinnigen Schmuckstücke der so zart wirkenden Bremer Goldschmiedin Astrid Keller. Fasziniert vom Silber und dessen unendlichen Möglichkeiten, holt sie sich Inspirationen aus der Natur. Es ist die Architektonik der Pflanzen, die man selbst in Astrid Kellers formschönen Faltblechvasen wiederfindet. Mehrfach ausgezeichnet, ist die in der traditionellen Silbermanufaktur Koch & Bergfeld (Bremen) arbeitende Künstlerin eine Meisterin ihres Fachs. Geschickt pendelt sie zwischen Gefäßen und Schmuck. Wobei sich ihre jüngsten Kreationen – kreatürliche „Juwelenbroschen“ – harmonisch zu Herings Afrika-Landschaften gesellten. Diese wusste Dr. Thomas Wöhning mit einleitenden Worten gut in Szene zu setzen.

Die Finissage der Ausstellung in der Galerie Gut Geissel, Jagdweg 215 in Langenberg findet am  Samstag, 5. Juli, um 17 Uhr statt. Geöffnet ist die Galerie  täglich von 16 bis 21 Uhr.
 Keramiken, die „virtuelles Meeresrauschen“ suggerieren, präsentiert Gabriella Picci. Porös und gleichzeitig kraftvoll sind die Gefäße der international ausgezeichneten Künstlerin. Zu ihren archaisch anmutenden Arbeiten gab es augenzwinkernde, „meeresbiologische Anmerkungen“ von Stella Linke. Denn so leicht wären der männliche und weibliche Meeresschwamm in eindeutiger Beziehung sonst wohl nicht zu entdecken gewesen. Zudem sind in der Galerie neue Arbeiten der Künstler Keiko Koana (Bilder), Gian Luca Bartellone (Schmuck) und André von Martens (Keramik) zu sehen.

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