Selbst Bach hätte seine Freude gehabt
Bild: Kreyer
Glanz auf der ganzen Linie: das Leipziger Posaunenquartett Opus 4 mit (v. l.) Honza Gimaletdinow, Stephan Meiner, Dirk Lehmann und Leiter Jörg Richter.
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Posaunen klingen in der Kirche an sich schon festlich. Mit „Gloria und Exultent Caeli“ aus Claudio Monteverdis „Marienvesper“ erlebte man es auf Einladung des Fördervereins historischer Kirchen und der Evangelischen Kirchengemeinde in Gütersloh hautnah.

So hatten Dirk Lehman und Jörg Richter, die das Posaunenquartett 1984 aus der Taufe hoben und langjährige Mitglieder des Leipziger Gewandhausorchesters sind, gemeinsam mit den jüngeren Mitgliedern, Stephan Meiner und Honza Gimaletdinow, gleich für die richtige Stimmung gesorgt.

Musik aus fünf Jahrhunderten

Auf dem Programm stand Musik aus fünf Jahrhunderten. Mit Josquin des Prés’ „In te Domine Speravi“, Thomas Selles „Domine Exaudi“ und Hans Leo Hasslers flotter „Intrada“ kamen die Kopien der Renaissance-Posaunen zum Einsatz. Der etwas weichere Klang gab eine gute Vorstellung, wie es im 16. Jahrhundert, aus dem die Musik stammt, hätte klingen können. Johann Sebastian Bachs berühmte „Toccata und Fuge in d-moll, BWV 565“ – geht das mit vier Posaunen? Arrangiert von Jörg Richter traten die Musiker mit voller Kraft den Beweis an. Selbst die schnellen Läufe gelangen auf den als behäbig geltenden Instrumenten par excellence. Toccata und Fuge erstrahlten in neuem Glanz. Selbst Bach, der keine Werke für Posaune schrieb, hätte seine Freude gehabt.

Herrlich-geschwätzige Kaffeestunde

Eine Überraschung war sicher das Werk des noch lebenden Bernhard Krol, das „Leipziger Intermezzo opus 183“, in dem es um die geschwätzige Kaffeestunde bei Anna Magdalena Bach geht. Herrlich, wie die Musiker das ihnen gewidmete Werk in musikalischen Dialogen bildhaft zum Klingen brachten.

Kaum dem Geschmack Bachs entsprochen hätte es, mit Musik vom Broadway den Kirchenraum zu füllen. Die meisten Konzertbesucher werden darüber nicht nachgedacht haben. Denn Genuss pur konnte der perfekte Sound bei „Alexander’s Ragtime Band“ von Irving Berlin oder „I got Rhythm“ aus George Gershwins musikalisches Potpourri schon sein. Mit vollem körperlichen Einsatz, mal mitschwingend, mal in akrobatischer Eile diverse Dämpfer in die Instrumente steckend, intonierten die Musiker Hits wie „Maria“ oder „Tonight“ aus der „West Side Story“ mit größter Spielfreude. Nach begeistertem Applaus gab es Joze Zitniks „Ples“ und Bachs Choral „Es ist genug“.

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