Strom und Gas für 7,9 Millionen Euro
Von der Vergabe der Stromlieferung für die nächsten drei Jahre ist die geplante Photovoltaikanlage auf dem Dach des Kreishauses Gütersloh nicht berührt. In dieser Woche wurde eine Musterfläche in luftiger Höhe montiert. Burkhard Stiens, der Leiter der Gebäudewirtschaft beim Kreis, nimmt sie samt Befestigungstechnik unter die Lupe. 

Für gut die Hälfte des Gesamtpakets im Wert von 7,9 Millionen Euro pro Jahr erhielt die von den Stadtwerken Gütersloh und Bielefeld gebildete Bietergemeinschaft den Zuschlag. Die RWE und andere Versorger sind raus. Nach der ersten europaweiten Strom-Ausschreibung des Kreises vor gut zehn Jahren haben sich nach und nach auch einige Kommunen dem aufwendigen Verfahren angeschlossen, um gemeinsam günstigere Preise zu erzielen. Jetzt waren der Kreis-Energiebeauftragten Anne Schulze Bornefeld (Bild) zufolge Borgholzhausen, Harsewinkel, Herzebrock-Clarholz, Langenberg, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Schloß Holte-Stukenbrock und der Wertkreis mit im Boot. Insgesamt ging es um 22,5 Millionen Kilowattstunden, verteilt auf 616 Abnahmestellen.

Ausschreibung nach Fukushima

Die Ausschreibung war nötig geworden, weil die derzeitigen Energieversorger nach dem Atomunglück von Fukushima die zur Verlängerung anstehenden Verträge vorsorglich gekündigt hatten. Schulze Bornefeld: „Keiner wusste, wie sich der Preis entwickeln würde.“ Statt wie bisher für jeden Teilnehmer der Ausschreibung ein separates Los zu bilden, wurden jetzt die zu liefernden Strom-Arten zusammengefasst. Das umfangreichste und mit 13,3 Millionen Kilowattstunden gut die Hälfte der Gesamtmenge umfassende Los bildete der normale Strom ohne jegliche Ökovorgaben. Das kleinste Kontingent (230 000 Kilowattstunden) war Ökostrom (ohne Neuanlagenquote) für die Straßenbeleuchtung. Fünf Versorger forderten laut Schulze Bornfeld die Ausschreibungsunterlagen an, zwei gaben Angebote ab. Für Burkhard Stiens, den Leiter der Gebäudewirtschaft beim Kreis, angesichts der früher stärkeren Beteiligung ein eher ernüchterndes Ergebnis. Dreiviertel des Strompakets im Wert von rund 3,3 Millionen Euro fiel an die Stadtwerke Bielefeld und Gütersloh, darunter auch das „dicke“ Normalstrom-Los (2,4 Millionen Euro). Bei zwei der sieben Ausschreibungspakete (Gesamtwert: gut eine Million Euro) hatte mit der Lichtblick AG aus Hamburg überraschend ein reiner Ökostrom-Versorger die Nase vorn. Stiens: „Lichtblick hat gezeigt, dass auch Ökostrom auf dem normalen Markt konkurrenzfähig ist.“ Die RWE, bislang Stromlieferant für viele Gebäude von Kreis und Kommunen, hatten kein Angebot abgegeben. Der Kreis muss für die von ihm benötige elektrische Energie rund 650 000 Euro pro Jahr zahlen.

Mehr Angebote erhofft

Erhebliche Verschiebungen bei den Lieferanten hat die erstmalige europaweite Ausschreibung der Gaslieferung (63,4 Millionen Kilowattstunden und 211 Abnahmestellen) gebracht. Anstelle beispielsweise der Technischen Werke Osning in Halle, der Stadtwerke Versmold oder der RWE versorgen künftig nur noch zwei Unternehmen die Gebäude des Kreises, des Wertkreises sowie der Kommunen Harsewinkel, Herzebrock-Clarholz, Rheda-Wiedenbrück und Rietberg mit Erdgas: die BS Energy Braunschweiger Versorgungs-AG sowie die gemeinsam agierenden Stadtwerke Bielefeld und Gütersloh. Die Braunschweiger haben sich bei ihrer Premiere im Kreis mit einem Paukenschlag durchgesetzt. Sie liefern für 2,6 Millionen Euro rund 75 Prozent der ausgeschriebenen Gasmenge, während die heimische Bietergemeinschaft den Zuschlag für „Brennstoff“ im Wert von rund 950 000 Euro erhielt. Sieben Versorger hatten die nach vier Marktbereichen gegliederten Ausschreibungsunterlagen angefordert, drei Angebote waren eingegangen. Auch an dieser Stelle hatte sich Burkhard Stiens „mehr erhofft“. Mit den erzielten Einsparungen sind die Gebäudewirtschafter des Kreises gleichwohl „sehr zufrieden“. Rund 900 000 Euro muss der Kreis für das Erdgas auf den Tisch legen. Bislang hatte er es mit fünf Anbietern zu tun, jetzt sind es noch zwei.

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