„Test-Orgie“ stürzt Ärzte in ein Chaos
Dr. Barbara Filius-Lundgreen, Ärztin aus Gütersloh, rechnet in einem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet mit der Landesregierung ab. Mit einer Antwort auf ihr Schreiben rechne sie nicht, sagt sie auf Anfrage dieser Zeitung.

In einem Ärzte-Chat löst sie eine Diskussion aus. „Jemand fragte, ob er den Brief mit meinem Namen veröffentlichen dürfe“, sagt Dr. Filius-Lundgreen auf Anfrage dieser Zeitung. „Macht damit, was ihr wollt“, habe sie geantwortet. So zieht der Brief aktuell bei Facebook seine Kreise, wird dort tausendfach verbreitet.

Generalabrechnung mit der Landesregierung

Das zweiseitige Schreiben ist eine Generalabrechnung mit der Landesregierung für ihren Umgang mit der Coronakrise, nicht nur seit dem jüngsten Ausbruch bei Tönnies. Um festzustellen, ob die Bevölkerung außerhalb der Tönnies-Mitarbeiter und deren Familienmitgliedern infiziert sei, hätte eine repräsentative Stichprobe ausgereicht.

Dr. Filius-Lundgreen spricht von „einer wahren Test-Orgie, die sinnlos ist und Unmengen von Geld verschlingt“. Praxen würden mit Anfragen überschwemmt und lahmgelegt. Sie fordert Laschet auf: „Stoppen Sie umgehend diesen Unsinn und lassen Sie uns wieder in ein vernünftiges gesellschaftliches Leben zurückkehren.“

Jeden Tag werden die Schäden größer

Mit jedem Tag würden die Kollateralschäden größer und der Benefit für die Bevölkerung schlechter. „Mit dem Geld, das wir jetzt verpulvern, könnten wir die Welt wahrscheinlich klimaneutral umgestalten und so viele Menschenleben mehr retten. Wahrscheinlich werden wir in 10 bis 15 Jahren in Anbetracht des Klimawandels denken, was wir 2020 für lächerliche Probleme hatten.“

Seit Monaten mache die Politik der Bevölkerung Angst vor der Erkrankung. „Jetzt scheinen sich die Politiker aller Bundesländer der falschen Vorstellung hinzugeben, dass es gelingen könnte, die Erkrankung auszuhungern“, schreibt die Ärztin. „Da dieses Ziel nicht erreichbar ist, müssen wir mit dem Virus leben.“

„Die tiefe Spaltung der Gesellschaft haben Sie mit zu verantworten“

Zum Thema Quarantäne meint sie, dass diese dazu da sei, kranke von gesunden Menschen zu trennen „und nicht einzusperren wie mit einer elektronischen Fußfessel“. Dies sei staatliche Willkür. Ein Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung werde so nicht erzeugt. Stattdessen würden Angst und Hass geschürt. „Die ständige Anspannung und die tiefe Spaltung der Gesellschaft haben Sie mit zu verantworten“, wirft Dr. Filius-Lundgreen Laschet vor.

Schutzmaßnahmen in den Altenheimen und vor allem ausreichend Schutzmaterial seien erforderlich. „Aber die alten Menschen prophylaktisch in ihrem Zuhause im Altenheim einzusperren, spottet jeder Beschreibung und ist alles andere als freiheitlich und demokratisch.“

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