Tierschützer machen am Samstag mobil
Bild: Pieper
Hoffen auf starke Beteiligung bei der für Pfingstsamstag in Gütersloh geplanten Tierrechtsdemonstration „Schließung aller Schlachthäuser“: Margrit Dorn und Oliver Groteheide vom lokalen Veranstalter, dem Verein Fairleben.
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Die in Frankreich gestartete internationale Demo-Reihe für Tierrechte, die schon publikumsträchtige Ableger in Berlin, Hamburg, München und Bielefeld erfuhr, wird erstmals in Gütersloh stattfinden. Organisiert wird sie vom Bielefelder Zweig der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (Ariwa) in Kooperation mit lokalen Initiativen wie dem Verein Fairleben und dem Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung.

Lebewesen werden zur Ware deklassiert

 „Die Menschen sind sensibilisiert für das Thema“, sind sich Dorn und Groteheide im Vorgespräch mit der Presse sicher. Denn Schlachtbetriebe, gerade in der Größenordnung von Tönnies, würden mit ihren Massentötungen ethische Grenzen überschreiten, weil sie das Tier nicht als fühlendes Individuum behandelten, sondern zur reinen Ware deklassierten. Dem gelte es Einhalt zu gebieten.

Laut Ariwa sterben jährlich eine Milliarde sogenannter Nutztiere in der deutschen Tierindustrie „nur um die Konsumnachfrage vor allem von Billigfleisch zu befriedigen“, so Groteheide. Auch die Gefahr von Pandemien sei eng mit dem System verbunden.

Zusammenhang zwischen Coronavirus und Tierhaltung?

Denn nicht nur bei Covid-19 werde der Ursprung auf einem Tier- und Fleischmarkt vermutet. Und nicht zuletzt zeigten die jüngsten Berichte aus Brasilien, dass mit der uneingeschränkten Abholzung des Amazonaswalds zur Gewinnung von Weideflächen für Schlachtrinder auch ein direkter Zusammenhang zum Klimaschutz bestehe.

Ganz zu schweigen von den „menschlichen Opfern“ in den Schlachtbetrieben, die dort während der Coronakrise als Infizierte festgestellt wurden. Dass Tönnies aktuell und offiziell „nur“ 18 Erkrankte unter seinen Mitarbeitern habe, wagt Dorn jedenfalls zu bezweifeln.

Veranstalter hoffen auf 70 bis 100 Teilnehmer

Den Veranstaltern ist klar, dass die geplante Demo ein Wagnis ist, fehlt dem Thema doch die Popularität, die die „Fridays for Future“-Bewegung genieße. Trotzdem sind sie optimistisch, dass zum Auftakt um 11.30 Uhr auf dem Konrad-Adenauer-Platz am Rathaus 70 bis 100 Interessenten kommen werden.

Von dort geht es – im gebotenen Corona-Abstand, aber wegen des Vermummungsverbots bei Demonstrationen ohne Mundschutzmasken – immer zu zweit nebeneinander zum Berliner Platz. Dort wird der ehemalige Metzger Peter Hübner über die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen der Schlachthofmitarbeiter sprechen.

Musikalische Beiträge und Auftritte von Rednern geplant

Der Zug bewegt sich danach über den Kolbeplatz, am ZOB vorbei, über die Kirch- und Feldstraße zum Dreiecksplatz, wo der Kieler Rapper Albino und die Fairleben-Projektband „Mary & The Carots“ spielen. Es gibt weitere Redebeiträge zu den Themen Gesundheit, Tierrechte, Klima- und Umweltschutz sowie persönliche Konsequenzen, unter anderem vom Ariwa-Kampagnenkoordinator Simon Anhut.

Bei der Vorbereitung der Demonstration seien Polizei und Ordnungsamt sehr kooperativ gewesen, betonen Oliver Groteheide und Margrit Dorn vom Verein Fairleben. Der Auftakt, die Zwischenstopps und der Zug durch die Innenstadt werden von Ordnern des Vereins begleitet. Sie sollen auf die Einhaltung von Hygienevorschriften achten.

„Uns geht es nicht darum, jeden zum Vegetarier zu machen“

Die Organisatoren wagten auch einen Blick in die Zukunft ihres Vereins. Er will verstärkt daran arbeiten, dass seine Ziele auch über den Verein hinaus in der Praxis umgesetzt werden. So wird gerade ein Bürgerantrag vorbereitet, der die Stadt auffordert, sich mit Blick auf eine gesunde Ernährung sowie Tier- und Klimaschutz dafür einzusetzen, dass zum Beispiel das Schulessen diesbezüglich verändert werde, und dass künftige Catering-Aufträge bei städtischen Veranstaltungen dahingehend geordert werden. „Uns geht es nicht darum, jeden zum Vegetarier zu machen“, sagt Groteheide, „aber darum, die Zusammenhänge von fleischloser Ernährung und Weltklima zu verdeutlichen.“

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