Tierseuchenverfügung im Kreis aufgehoben
Symbolfoto: Pixabay
„Die Betriebe stoßen an ihre Grenzen“: Wegen der Restriktionen im Zusammenhang mit der Geflügelpest fehlen laut Veterinäramtsleiter Patrick Steinig Abnehmer für Tiere.
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Unabhängig davon gilt im Kreis Gütersloh wie in ganz Ostwestfalen-Lippe weiterhin die Stallpflicht für Geflügel. Die Aufhebung der Tierseuchenverfügung ist am Donnerstag, 22. April, in Kraft getreten. Wie berichtet, wurde am 31. März in Beelen der Ausbruch der Geflügelpest amtlich festgestellt. Der Kreis Gütersloh hatte daraufhin in einer Allgemeinverfügung um den Ausbruchsbetrieb Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete gebildet. Nachdem die erforderlichen Maßnahmen durchgeführt worden sind, ist mit einer Verschleppung des Geflügelgrippevirus in diesen Gebieten nicht mehr zu rechnen.

Große Herausforderungen

Die Geflügelpest ist auch am Mittwoch Thema im Gesundheitsausschuss gewesen: Obwohl es im Kreis Gütersloh bislang nur einen bestätigten Fall der Geflügelpest in einer Entenhaltung in Versmold gegeben hat und die Restriktionszone bereits Anfang März aufgehoben worden war, stellt die Seuche das Veterinäramt und die Geflügelhalter weiterhin vor große Herausforderungen. Grund dafür sind unter anderem vier Ausbrüche in Betrieben im benachbarten Delbrück. 

Wie Veterinäramtsleiter Patrick Steinig im Gesundheitsausschuss berichtete, waren in den vergangenen Wochen im Kreis 83 Quadratkilometer zum Sperrbezirk und 609 Quadratkilometer zum Beobachtungsgebiet erklärt worden. Somit gehörten 62 Prozent des gesamten Kreises zur Restriktionszone. Es seien 1300 von insgesamt 2300 Geflügelhaltungen betroffen gewesen, darunter sowohl Hobbyzüchter als auch gewerbliche Geflügelbetriebe. 

Hohe Geflügeldichte

Problematisch sei, so Steinig, dass im Raum Delbrück, einem Hotspot der Geflügelpest, und Rietberg eine hohe Geflügeldichte bestehe. „Die Betriebe befinden sich sozusagen in Spuckweite zueinander.“ Um mögliche Ansteckungen zu vermeiden, arbeite das Veterinäramt also in die Fläche. Sperrbezirke wurden in einem Radius von drei Kilometern um den betroffenen Betrieb eingerichtet, Beobachtungszonen in einem Umkreis von zehn Kilometern. 

Imageschaden für die Geflügelhaltung

Abgesehen von der Angst der Landwirte, dass sich ihre Tiere mit der Seuche anstecken, gibt es noch ein weiteres Problem: „Die Geflügelhaltung im Kreis hat durch die Seuche einen enormen Imageschaden erlitten“, sagte Steinig. „Teilweise gibt es in anderen Bundesländern und Landkreisen Aufrufe, dass sich Halter, die Geflügel aus dem Kreis Gütersloh beziehen, melden müssen.“ Andere Bundesländer und Kreise lehnten Junghennen dagegen ganz ab, obwohl diese vor dem Transport genaustens untersucht würden und nachweislich geflügelpestfrei seien. 

„Die Betriebe stoßen an ihre Grenzen“

„Die Betriebe stoßen an ihre Grenzen“, schilderte er. Da Abnehmer für die Tiere fehlten, seien die Ställe überfüllt. Gerade bei Junghennen sei es problematisch, sollten sie nicht in die Legebetriebe gebracht werden. Oftmals erfolge eine Fehlprägung, wenn die Tiere in den Aufzuchtbetrieben blieben. Dort gebe es nämlich keine Nester, in die sie ihre Eier legen könnten. Und das würden die Hennen irgendwann naturgemäß tun wollen. „Sie legen ihre Eier also kreuz und quer. Für den Markt sind die dann nicht mehr zu gebrauchen.“ Derzeit versuche man, alle Tiere unterzubringen, damit sich die Ställe leerten. „Solange die Akzeptanz in den anderen Bundesländern und Landkreisen jedoch nicht da ist, können wir diese Zustände nicht vermeiden“, bedauerte Steinig.

Hoffnung: Aufstallungspflicht endet Mitte Mai

Dr. Patrick Steinig hofft, dass mit Ende des Wildvogelzugs Ende April wieder Ruhe einkehrt und die vom Land NRW kommunizierte Aufstallungspflicht Mitte Mai endet. Versprechungen könne er aber nicht machen. „Es kann auch noch bis Mitte Juni dauern“, sagte Steinig. Denn vor Kurzem seien in Ostwestfalen-Lippe wieder einige an der Geflügelpest verendete Wildvögel gefunden worden. 

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