Tönnies: CDU drängt auf Kontrollen
Als Antrag an den Kreis soll der Zehn-Punkte-Plan der CDU zur Betriebsaufnahme bei Tönnies im August in eine weitere Sondersitzung des Kreisausschusses eingebracht werden. Das Foto hat Tönnies verschickt.

„Herr Tönnies hat sich auf die Brücke begeben, und wir fordern jetzt, dass klar Schiff gemacht wird“, sagte der Fraktionsvorsitzende Dr. Heinrich Josef Sökeland am Montag vor der Presse. Damit nahm er ein vom Unternehmer Clemens Tönnies in einem Interview am Samstag selbst gewähltes Bild auf. Es sei jetzt an der Firma, Transparenz zu zeigen und Vertrauen wieder aufzubauen. „Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre setzen wir auf Kontrolle“, sagte Sökeland.

Zehn-Punkte-Plan soll Sicherheit bringen

Der Zehn-Punkte-Plan solle Sicherheit bringen, wobei Sökeland einschränkte: „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht, sonst müssten wir den Betrieb schließen, und das wollen wir nicht.“ Konkret soll der Kreis einen Aktionsplan mit Maßnahmen aufstellen, in welchen Intervallen und durch welche Behörde das Hygiene-Konzept der Firma in den einzelnen Punkten überprüft wird.

Mitarbeiter des Abteilung Arbeitsschutz der Bezirksregierung Detmold sollen „dauerhaft vor Ort“ im Betrieb sein, um die Einhaltung der Bestimmungen zu überprüfen. Notfalls soll der Kreis mit Personal aushelfen, so Sökeland: „Es sieht so aus, als seien in der Pandemie-Zeit nicht alle Arbeitsschutzbestimmungen eingehalten worden.“

Wegen der Größe des Betriebs soll außerdem bei Tönnies langfristig über die Corona-Teststrategie des Landes NRW für fleischverarbeitende Betriebe hinausgegangen werden. Heißt: „Wir halten die Einzelfalltestung für den sicheren Weg“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Pooltestungen, bei denen die Proben von etwa fünf Beschäftigten gemeinsam überprüft würden, reichten nicht.

Klare Angaben zu Schlachtmengen gefordert

Klare Angaben von Tönnies fordert die CDU zu den aktuellen Schlachtmengen. „Gleiche Produktionsmengen wie früher halten wir für sehr fraglich“, sagte der Fraktionsvorsitzende.

„Ganz besonders not amused“ sei seine Fraktion über die Angaben zur Beschäftigtenzahl und der Wohnadressen. Ein Chef „muss auf Knopfdruck wissen, wie viele Leute in meinem Betrieb arbeiten. Und die Adressen müssen stimmen, das gehört mit dazu.“ Die CDU sei im Kreisausschuss überrascht gewesen, dass Tönnies in Rheda auf einmal 8100 Beschäftigte habe. Da seien dann bei den Tests im Mai womöglich „1600 nicht erwischt“ worden.

Die Christdemokraten fordern außerdem ein Konzept zur Wohnraumkontrolle. Auch wenn das Unternehmen eine eigene Gesellschaft gründe, dürfe man ihm das nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht selbst überlassen. Sökeland: „Ohne Kontrolle geht es nicht.“

Stichproben in Kleinbussen

Stichprobenartig sollen die Kleinbusse überprüft werden, mit denen die Arbeiter zu Tönnies gefahren werden. Es habe immer wieder Hinweise gegeben, berichtete Sökeland, „dass die Kleinbusse überbelegt seien und keine Masken getragen würden“. Laut Sökeland leben zurzeit rund 18 000 Rumänen und Bulgaren im Kreis Gütersloh, Tendenz steigend. Deshalb sei es wichtig, ein Konzept zur Integration von Zuwanderern aus Ost- und Südosteuropa zu erarbeiten. „Wir haben jetzt gesehen, dass es eine sehr geringe Durchmischung gibt“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Helen Wiesner. Wichtig sei vor allem auch die Sprachbildung der Erwachsenen.

Die Kreisverwaltung soll außerdem eine Übersicht der in Verbindung mit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies entstandenen Kosten erstellen und prüfen, ob und wie sie Tönnies in Rechnung gestellt werden können. Wiesner: „Es gilt das Verursacherprinzip.“ Schließlich, als letzter Punkt, fordert die CDU den Gesetzgeber auf, „den Missbrauch von Werkverträgen zu unterbinden und die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie zu verbessern“.

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