Toupieren und falsche Zöpfe hoch im Kurs
Bild: Steinecke
Mit antikem Friseurwerkzeug: Der Gütersloher Heinz Drenkelforth bekommt am Sonntag im Rahmen der 100-Jahr-Feier der heimischen Innung den goldenen Meisterbrief.
Bild: Steinecke

Mit 14 Jahren hatte Heinz Drenkelforth seine Ausbildung bekommen. Nach fünf Gesellenjahren und einem Jahr Wehrdienst meldete er sich bei der Meisterschule an. Die Weiterbildung zum Meister dauerte ein Jahr und fand nach Feierabend statt.

Das ist heute anders, da keine Gesellenjahre mehr benötigt werden. „Das ist europäische Gleichmacherei. Den Leuten fehlt die Erfahrung, und dann werden sie auf die Menschheit losgelassen“, kann Heinz Drenkelforth diese Änderung nur schwer nachvollziehen. Ein Jahr nach seiner Meisterprüfung machte sich Drenkelforth zusammen mit seiner Frau Brunhild am Brockweg 115 in Gütersloh selbstständig. „In sechs Jahren bin ich an der Reihe“, freut die sich auf ihren goldenen Ehrenbrief.

Herrenfach war Heinz Drenkelforth zu einfach

Doch nicht nur der Weg zum Meisterbrief hat sich verändert. Auch die Frisuren sind vielfältiger geworden. Drei Herrenhaarschnitte gab es zu Drenkelforths Anfangszeiten: Kurzhaarschnitt, kurzer Fasson-Schnitt, langer Fasson-Schnitt. „Da war man in 5 bis 15 Minuten fertig. Das war mir zu einseitig, und ich bin lieber in den Damensalon gegangen“, erinnert sich Drenkelforth. Dort war das Einsatzgebiet umfangreicher. Angefangen bei „falschen Zöpfen“, die aus den ausgekämmten Haaren der betreffenden Kundin geflochten wurden, über die Wasserwelle bis zum Toupieren der Haare. „Wer am höchsten toupieren konnte, war der beste Friseur“, schmunzelt Drenkelforth.

Die hohe Kunst des Ondulierens

Und dann gab es noch die hohe Kunst des Ondulierens. Die Ondulierzange wurde entweder über einer Gasflamme oder mit einem elektrischen Heizgerät erwärmt. War sie zu heiß geworden, wurde sie in der Hand rotiert, bis sie die passende Temperatur hatte. Auch die Friseurbesuche waren früher häufiger. „Jede Frau, die etwas auf sich hielt, ging einmal die Woche zum Friseur“, so Drenkelforth. Doch auch die Männer erschienen häufiger, um sich rasieren zu lassen. Das geschah mit einem normalen Rasiermesser. „Das Messer schärfen war die größte Kunst. Wer ein scharfes Messer hatte, konnte auch rasieren“, sagt Drenkelforth gelassen. Geschärft wurde auf dem Lederriemen. Wenn es stumpfer war, wurde das Messer auf dem Stein abgezogen.

SOCIAL BOOKMARKS