Tragisch, gewaltig und beschwingt
Bild: Kreyer
Der Freiheit propagierende Chor spielte auch am Samstagabend bei der „Nabucco“-Aufführung in Halle eine wichtige Rolle.
Bild: Kreyer

Nicht ohne Stolz gratulierte Pressesprecher Frank Hofen den Besuchern zu der Entscheidung, zur zwölften Opernveranstaltung ins Haller Stadion gekommen zu sein. Zu Gast waren das Orchester der Staatsoper Prag unter der Leitung von Hilary Griffiths, der Chor der Staatsoper Budapest sowie renommierte Solisten von der Mailänder Scala und der Arena di Verona. Und mit viel Phantasie konnte man sich in eine Opernarena versetzten.

Rolf Cofflet hatte zum wiederholten Mal für das passende Bühnenbild gesorgt. Der monumentalen Hintergrund war der richtige für eine traditionelle Aufführung. Gepaart mit der einfühlsamen künstlerischen Leitung von Professor Günther Roth, die ebenso ohne Pomp auskam, gelang ein stimmiger Genuss für Augen und Ohren. Kaum ließen sich Sog und Kraft der Musik Verdis und des Librettos von Temistocle Solera überbieten.

Es sind die großen Themen, die sich hier vereinen, über alles der Freiheitsgedanke, die Liebe, Rachsucht, Macht und Glauben. Der Kampf zweier Völker, die Auseinandersetzung ihrer Herrscher. So tritt die figürlich stattlich anzusehende Caroline Whisnant leidenschaftlich und stimmgewaltig in der Rolle der Abigaile als vermeintliche Tochter Nabuccos auf. Ergreifend im letzten Akt die Bekehrung Abigailes und Nabuccos (Ambrogio Maestri), dessen voluminöse Baritonstimme in ihrer Dramatik überzeugte. Ebenso überzeugend auch die Rollen von Fenena (Anna Rita Esposito), Ismael (Orfeo Zanetti), des Oberpriesters (Lothar Fritsch) und von Abdalo (Anton Kuhn).

Chor sorgt für Dramatik

Und weil es in dieser Oper nicht nur um den einzelnen Menschen geht, sondern um die Gesamtheit, spielt der Chor eine Hauptrolle. Geschickt vor der bewusst spartanisch gehaltenen Kulisse platziert, verleiht er dem Geschehen die notwendige Dramatik. Nach Freiheit rufend, erklingt ausdrucksstark der Gefangenenchor mit „Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“ und weckt damit tiefste Gefühle jeden Verdi-Liebhabers.

Vielleicht hat es den einen oder anderen nachdenklich gestimmt, wie es Verdi immer wieder schafft, selbst tragischste Themen auf eine „italienische Art und Weise“ gleichzeitig gewaltig und fast beschwingt erklingen zu lassen.

Nach kurzem, satten Applaus leerte sich das Stadion recht schnell. Hatten die Besucher keine Lust auf eine Zugabe? Dr. Silvana Kreyer

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