Tutorenunterricht ist für alle ein Gewinn
Bild: Neitemeier
Voneinander und miteinander lernen: (v. l.) die Schüler Long Pham (links) und Hannes Bardenheuer (rechts) mit Tutor Sebastian Schürmann am Carl-Miele-Berufskolleg in Gütersloh.
Bild: Neitemeier

Zum einen ein kleines Taschengeld, zum anderen ein Zertifikat, das sich später bei Bewerbungen auszahlen kann. Zudem freut sich die Schule selbst am Ende über bessere Leistungen ihrer Jugendlichen.

Tutorenunterricht nennt sich das Konzept, das seit einiger Zeit in der zweijährigen vollzeitlichen Höheren Berufsfachschule (schulischer Teil der Fachhochschulreife) des Carl-Miele-Berufskollegs in Gütersloh praktiziert wird und dessen wichtigstes Ziel selbstständiges Lernen ist. Studiendirektor Wolfgang Schwenk: „Einmal in der Woche stehen einige Schüler des zweiten Jahrgangs denen im ersten für zwei Schulstunden als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie erklären Sachverhalte, unterstützen bei Hausaufgaben oder assistieren bei der gezielten Vorbereitung auf Klassenarbeiten.“

Schüler helfen am Carl-Miele-Kolleg Schülern

Im Bereich Maschinenbau (rund 25 Schüler) sei der ergänzende Tutorenunterricht verbindlich, im Bereich Elektrotechnik (50 Schüler) freiwillig, erklärt der Bereichsleiter. Dass das Kolleg dieses Angebot überhaupt machen könne, verdanke es der Stiftung der Sparkasse Gütersloh, denn „eigene Mittel zum Bezahlen der Tutoren haben wir nicht“.

„Zu Hause würde man sich nach der Schule kaum noch mal allein hinsetzen und lernen. Da wird man zu viel abgelenkt“, beschreibt Julian Martens aus Verl die Vorteile der Tutoren-Stunden. Zudem könne man sich mit Klassenkameraden austauschen, sagt der 17-Jährige. Dass die älteren Mitschüler Sachverhalte „anders als die Lehrer erläutern“, hebt Long Pham (17, Gütersloh) hervor. „Das bringt schon was“, sagt auch Hannes Bardenheuer aus Rheda-Wiedenbrück. Von den Tutoren bekomme man oftmals viele hilfreiche Tipps. So kann nach einem ersten misslungenen Maschinenbautest der zweite deutlich besser ausfallen, wenn man zwischendurch Wissen und Unterstützung des älteren Mitschülers genutzt hat.

Kleines Taschengeld und hilfreiches Zertifikat

Zehn Euro bekommen die „Schüler-Lehrer“ nach Angaben von Wolfgang Schwenk für die Doppelstunde. Doch des Geldes wegen sind die Tutoren nicht im Einsatz. Vor allem ist es das Zertifikat, das es dafür gibt und ihnen am Ende soziales Engagement und soziale Kompetenz bescheinigt. „Das zählt später im Berufsleben“, sagt Kevin Pülke (19). Kurz zuvor konnte der gelernte Industriemechaniker aus Rheda-Wiedenbrück einem Schüler bei einer Unklarheit in einer Übungsaufgabe helfen.“ Wegen der grundsätzlichen Bedeutung schreibt der Tutor die Information auch gleich für alle anderen an die Tafel.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Kreisseite Gütersloh in der „Glocke“ vom 20. Dezember.

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