Unternehmen sind skeptischer
Bild: Walkusch
Was bereitet den heimischen Unternehmen Sorgen? Es sind vor allem die internationalen politischen Konflikte. Aber auch die zunehmende Bürokratie wird als Risiko gesehen. Das ergab die Herbst-Konjunkturumfrage der IHK. Die Ergebnisse stellten (v. l.) IHK-Vizepräsident Dr. Markus Miele, IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden und Arne Potthoff, Referatsleiter für Industrie und Volkswirtschaft, vor.
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Die Werte, betonten Dr. Markus Miele und Dr. Christoph von der Heiden bei der Vorstellung der Ergebnisse am Donnerstag, seien im Kreis Gütersloh nach wie vor hoch. Tatsächlich sei die Wirtschaft seit der jüngsten Konjunkturumfrage im Frühjahr weiter gewachsen. Aber die Erwartungen für die Zukunft seien nicht mehr so positiv wie noch vor einem halben Jahr. „Die Wirtschaft im Kreis Gütersloh befindet sich weiterhin auf einem sehr hohen Niveau“, sagte Miele, der Vizepräsident der IHK OWL ist. „Es stellt sich aber zunehmen die Frage, ob der Gipfel nun überschritten ist. Zumindest sind in der Industrie und bei den Dienstleistern Verunsicherungen mit Blick auf die kommenden Monate spürbar.“ Der Indexwert für das Konjunkturklima für die gesamte Wirtschaft im Kreis sank demnach von 147 auf 131 Punkte.

Vor allem der Industrie aber bereiten internationale Turbulenzen Sorgen. Brexit, wirtschaftliche Unsicherheiten in einigen Schwellenländern und der Türkei sowie weiter schwelende internationale Handelskonflikte mit Zöllen und Gegenzöllen – all diese Faktoren waren auch schon vor einem halben Jahr präsent. Trotzdem waren die Erwartungen positiver. Der Unterschied, so vermutet Miele, sei, dass zum Beispiel der Brexit jetzt greifbarer sei. „Man hatte bisher immer vermutet, dass er geordneter abläuft“, sagte der IHK-Vizepräsident. Da Großbritannien ein großer Handelspartner in OWL sei, treibe die Unternehmen die Nervosität um.

Auch seien die Erwartungen bezüglich der Personaleinstellungen gedämpft, sagte von der Heiden, Geschäftsführer der IHK. Der Fachkräftemangel stelle für die meisten Unternehmen nach wie vor das größte Risiko dar. Trotz der Zuwanderung habe man dieses Problem nicht lösen können. Mann müsse weiterhin Wege finden, qualifiziertes Personal aus dem Ausland anzuwerben. Der politische Trend in Europa und den USA sei da nicht besonders hilfreich.

„Die Welt ist auf einem Abschottungskurs“, sagte Miele. Da Deutschland und auch viele Unternehmen im Kreis Gütersloh durch den Export gewachsen seien, sei man auf diesem Gebiet anfälliger. „Wir haben also ein besonders hohes Interesse an freien Märkten und Weltoffenheit“, sagte Miele. Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler und andere Multiplikatoren müssten für ein weltoffenes Land, für Toleranz und Respekt vor anderen, egal woher sie kommen und woran sie glauben, eintreten. „Wirtschaft kann nur erfolgreich sein, wenn wir einen gesellschaftlichen Grundkonsens sichern“, sagte der Vizepräsident der IHK.

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