Vergangenes für die Zukunft bewahren
Bild: Pieper
Totenmasken wurden früher von Herrschern und berühmten Persönlichkeiten - hier der Komponist Giuseppe Verdi - abgenommen. Heutzutage ersetzt der Fingerprint die Maske. Zum Schmuckstück veredelt, ist er eine tragbare Erinnerung an den Verstorbenen.
Bild: Pieper

Einst gehörten solche Abgüsse selbstverständlich zum Bestattungsprozedere bei Herrschern und Honoratioren. Heutzutage wird kaum noch danach gefragt. Und doch gibt es auch im Kreis Gütersloh Fachleute, die sich mit diesen ganz besonderen Objekten der Erinnerung – nicht nur zum Totensonntag – auskennen.

Der Verler Steinbildhauer- und Bestattermeister Dirk Hollenhorst gehört dazu. Er hat bereits für private Auftraggeber Totenmasken angefertigt. „Sie sind mehr als nur eine Erinnerung an den Verstorbenen“, sagt der 50-Jährige. „Einerseits zwingt solch eine Maske den Betrachter, sich immer wieder mit der Endgültigkeit des Todes auseinanderzusetzen. Andererseits kann sie etwas Befreiendes mit sich bringen und der Trauerbewältigung dienen.“ Denn die Gesichter, von denen Totenmasken üblicherweise abgenommen werden, sind entspannt, zeigen keine Spuren mehr von erlittenen Schmerzen oder Leid.

Hat man früher überwiegend flüssigen Gips schichtweise und – wie beim obligatorischen Gipsverband mit Jute verstärkt – aufs Antlitz aufgetragen, so werden Totenmasken heutzutage meist in Silikon hergestellt. In beiden Fällen wird vor dem Auftrag des Materials das Gesicht behutsam eingefettet, damit sich die Maske später, wenn das Material durchgehärtet ist, leichter ablösen lässt.

Die eigentliche Totenmaske ist also nur eine Hohlform (Negativform). Sie wird später mit einem alabasterähnlichen, feinen Spezialgips oder mit dem etwas poröser wirkenden Steinersatzmörtel Mineros ausgefüllt. Das erst ergibt den eigentlich gewünschten, plastischen Abguss, die sogenannte Positivform, die das Konterfei des Verstorbenen für die Ewigkeit konserviert. Der Fachmann spricht von der Erinnerungsmaske – auch wenn sie in Beschreibungen und Museen als Totenmaske deklariert wird.

 „Silikon“, erklärt Hollenhorst, „hat zwei weitere Vorteile: Erstens ist es von der Masse her leichter, so dass es das Gesicht beim Auftragen nicht verformt. Und zweitens kann man von einer Silikonform zigfache Abgüsse machen, während die Gipshohlform nur einmal verwendet werden kann.“ Wobei das vor allem bei Staatsmännern, Literaten, Künstlern und Komponisten in Frage kommt, um deren Konterfeis an mehreren Orten ausstellen zu können. Privaten Auftraggebern geht es eher darum, die Einzigartigkeit des Verstorbenen für sich selbst mit nur einer Maske zu symbolisieren.

Vor diesem Hintergrund hat sich in den vergangenen Jahren ein neuer Trend entwickelt: der Fingerprint. Meist vom Ring- oder Zeigefinger, aber auch vom Daumen wird ein Abdruck der Kuppe in Silikon genommen. Später filigran ausgegossen mit Silber oder Gold, wird er zum Schmuckstück und glänzt als Kettenanhänger oder Ohrstecker, als Brosche, am Armband oder in einem Ring. „Das ist eine sehr individuelle, komprimierte Erinnerung an einen Menschen, dem man immer nahe sein möchte“, erläutert Hollenhorst.

Was  ein Bestatter sonst noch tut, um den Angehörigen eines Verstorbenen einen pietätvollen Abschied zu ermöglichen, lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 19. November.

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