Viel Applaus für „Er ist wieder da“
Bild: Poetter
Er ist wieder da: Adolf Hitler (Kristian Bader) findet sich im modernen Deutschland wieder und erhält von einem Kioskbesitzer (Ole Schlosshauer) eine erste Orientierung – das Gütersloher Publikum spendete für das gesamte Stück Applaus.
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Der Blick auf das Datum, 30. August 2011, haut den Typen mit dem rollenden „R“ und unverwechselbaren Oberlippenbart jedoch um: 66 Jahre nach seinem Selbstmord in der Berliner Staatskanzlei mit anschließender Verbrennung ist Adolf Hitler (Kristian Bader) in der Gegenwart gelandet. Zu blöd, dass nicht nur der hilfsbereite Kioskbesitzer (Ole Schlosshauer), sondern auch dessen Freunde vom Film in ihm nur einen harmlosen Imitator sehen. Einen irren Schauspieler, mit dem man groß rauskommen kann.

Satte Mediensatire

Hitler selbst will da weitermachen, wo er 1945 aufgehört hat. Vorlage für die Bühnenfassung von „Er ist wieder da“, die Regisseur Axel Schneider für das Theater am Kurfürstendamm mit dem großartigen Kristian Bader in der Hauptrolle in Szene gesetzt hat, ist der gleichnamige Roman von Timur Vermes. Ein etwas langatmig geschriebenes Buch, das 2012 wie eine Bombe einschlug. Dabei geht es in dem Roman nicht um Hitler-Reminiszenzen, sondern um satte Mediensatire und karikierte Figuren.

Karriere eines Menschenfängers

Hitler, der alte Fuchs, schnallt schnell, worum es in der heutigen Gesellschaft geht. Die verdreckte Uniform wird gereinigt, eine gediegene Kluft muss her – dann startet der geübte Menschenfänger eine neue Karriere beim Fernsehen. Fräulein Krömeier (Meike Schmidt) wird seine Assistentin. Als der Auftritt des Führers („Propaganda, das kann ich“) in der Show des türkischen Comedian Wizgür (Stefan Roschy) zum Youtube-Hit wird, bekommt er eine eigene Talkshow und hat so ein Forum für Interviews und lange beklemmende Reden. Wie anno dazumal. Sein Besuch bei der NPD: Für die TV-Macher ist das alles kein Problem. In ihrer Branche zählen nicht die Inhalte, dort muss die Quote stimmen.

Ein Hauch von Tristesse

Trotz vieler Pointen und witzig gemachter Szenen zog sich das Stück. Und auch das Interview mit Renate Künast (Kerstin Hilbig) kam nicht als Muntermacher daher. Die Musik zum Stück lieferte Albert Sloutski, der als jüdischer Musiker mit Fiedel, Akkordeon und Bass durch die Kulissen zog und einen Hauch von Tristesse verströmte.

Beklemmendes Stück

Als Hitler am Ende niedergeschlagen wird und sich dann doch wieder aufrappelt, wird die Moral der Geschichte deutlich: Er und sein Gedankengut waren niemals so ganz weg. Beklemmend! Das engagiert spielende Ensemble erntete viel Applaus

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