„Viele halten nicht bis zur Rente durch“
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Wie soll es weitergehen, wenn man mit Ende 50/Anfang 60 seinen Beruf nicht mehr ausüben kann? In solchen Situationen wenden sich immer mehr Menschen an den Sozialverband VDK. Die Zahl der Rechtsberatungen hat im Kreis Gütersloh deutlich zugenommen.
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Die Gründe dafür seien vielfältig: wachsender Druck auf die Arbeitnehmer, eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung, eine plötzliche Krankheit oder psychische Probleme. Der VDK hat allerhand zu tun.

50 bis 60 Ratsuchende kommen zur Sprechstunde

Zweimal im Monat wird in der Kreisgeschäftsstelle an der Marienstraße 12 in Gütersloh Rechtsberatung angeboten. „Etwa 50 bis 60 Menschen kommen dann“, sagt Vorsitzender Karl-Heinz Asbeck. Tendenz steigend. Die Menschen kommen, um nicht in Armut leben zu müssen.

„Der typische Fall ist ein Mann Ende 50/Anfang 60, der seinen Beruf nicht mehr ausüben kann“, sagt Klaus Otto. „Da stellt sich dann die Frage, wie sich die Zukunft gestaltet. Wie geht es nun weiter?“

Was der VDK – und auch der Sozialverband SOVD, der für Otto allerdings keine Konkurrenz, sondern eher eine Schwesterorganisation ist – leistet, ist eine übergreifende Rechtsberatung. „Die Menschen könnten zum Kreis gehen, um sich wegen einer Behinderung zu informieren. Oder sie gehen zur Rentenberatung oder zum Anwalt. Dort finden die Menschen auch gut Hilfe. Wir schauen aber übergreifend, was der Betroffene in Anspruch nehmen kann.“

VDK rechnet mit steigender Nachfrage

Aber nicht nur in einer schwierigen beruflichen Situation kommen Ratsuchende mittlerweile auf den VDK zu. Es gebe auch immer mehr Menschen, die Probleme mit ihren Krankenversicherungen hätten, sagt Klaus van Stephaudt, einer von drei stellvertretenden Vorsitzenden beim VDK-Kreisverband. Beispielsweise wenn Rechnungen nicht übernommen würden.

Ein Leitsatz, den der VDK hat, ist, dass Ratsuchenden sofort geholfen wird. Die Haupt- und Ehrenamtlichen gehen davon aus, dass die Nachfrage nach den Beratungsangeboten noch weiter steigen wird. „Die wirtschaftliche Situation verschlechtert sich“, sagt Otto.

Auch die Digitalisierung spiele mit hinein. Entweder, weil bestimmte Arbeitsplätze dann wegfallen oder auf die Berufstätigen Druck ausgeübt wird, sich fortzubilden.

Der Verband kämpft für soziale Gerechtigkeit, für Gleichstellung und gegen soziale Benachteiligungen. Dafür setzen sich die Vertreter des VDK auch auf politischer Ebene ein. „Teilhabe ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagt Klaus van Stephaudt. Das sei ein langwieriger Prozess. „Die Hebel setzen sich nur langsam in Bewegung.“

Zahlen und Fakten

Der VDK (Verband der Kriegsbeschädigten) wurde 1950 gegründet. Mittlerweile ist es ein Sozialverband für jeden – egal welchen Alters, Geschlechts oder welcher Herkunft.

Bundesweit hat der VDK etwa zwei Millionen Mitglieder. Im Kreis Gütersloh gehören ihm mehr als 5300 Menschen an (Stand: September 2019).

Der Kreisverband Gütersloh hat 17 Ortsvereine.

Um die Beratung in Anspruch zu nehmen, müssen Ratsuchende Mitglied werden. Der Beitrag steigt im Februar 2020 von 5 auf 5,50 Euro im Monat. Bei der Beratung wird zudem eine kleine Bearbeitungsgebühr erhoben. Z

wischen 2009 und 2017 haben sich die Fallzahlen um 38 Prozent erhöht – ohne Berücksichtigung der Neuanträge.

Der VDK freut sich nicht nur über neue Mitglieder, sondern auch über Personen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.

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