Vier Jahreszeiten: Stelldichein der Stars
Bild: Bothor
Schlagen in einer Wort-Klang-Collage die „Krankenakte Robert Schumann“ auf: Schauspieler Matthias Brandt (links) und Pianist Jens Thomas werden am 13. Januar 2021 bei den „Vier Jahreszeiten“ im Theater Gütersloh erwartet.
Bild: Bothor

Die Theaterleiter Christian Schäfer und Karin Sporer hatten die Qual der Wahl und haben einmal mehr ein hochkarätiges Programm festgezurrt.  Wobei sie sich erneut auf die langjährigen Partner der tragenden Wirtschaftsallianz „Kultur plus“ verlassen konnten, die nicht nur im aktuellen Programmheft ihre Unterstützung bekräftigen. Und so dürfen sich die Kulturfreunde auf vier weitere kulturelle Highlights in der Theater- und Konzertsaison 2020/21 freuen – immer vorausgesetzt, Corona lässt sie zu.

Karten und Abos:

Ab wann genau es Karten im Vorverkauf für die „Vier Jahreszeiten“ gibt, steht – Corona-bedingt – noch nicht fest. Das gilt auch für die Abonnements. Sobald die Kultur-Räume einen Termin nennen können, wird dieser umgehend auf der Theater-Internetseite sowie in dieser Zeitung veröffentlicht. 

Den Auftakt macht am 20. November Deutschlands Jazzer Nummer eins: Till Brönner. Der Trompeter, der gern musikalische Wege abseits des Mainstreams beschreitet, hat sich längst weltweit einen Namen gemacht. Nicht von ungefähr war er beim Jazz-Allstar-Konzert vor Präsident Obama im Weißen Haus dabei. Der Musiker, Komponist, Sänger, Produzent und Fotograf wird in Gütersloh mitsamt Band sein neues Projekt „On Vacation“ vorstellen.

  Die „Krankenakte Robert Schumann“ wird am 13. Januar der zigfach ausgezeichnet Bühnen- und Filmschauspieler Matthias Brandt zusammen mit dem Pianisten Jens Thomas aufschlagen. In der eigens kreierten Wort-Klang-Collage beschäftigen sie sich mit der komplexen Persönlichkeit des Komponisten. Der Abend basiert auf Peter Härtlings Roman „Schumanns Schatten“, der auf brillante Weise die Wirkung der psychischen Instabilität des Meisters auf dessen Werke beleuchtet. Wer das Duo Brandt und Thomas 2016 mit „Psycho“ erlebt hat, der weiß, dass er sich auch jetzt schon auf einen fulminanten Abend im Theater Gütersloh freuen darf.

 Klangwunder in vielen Farben erleben

 Sie gehört zu den besten Cellisten der Welt: Sol Gabetta. Aufgewachsen in Südamerika als Tochter einer russisch-französischen Mutter und eines argentinischen Vaters mit italienischen Wurzeln, ist die heute in der Schweiz lebende Cellistin auf allen großen Bühnen und Festivals dieser Welt zuhause. Als Herbert-von-Karajan-Preisträgerin spielt Gabetta gern mit renommierten Orchestern zusammen. Doch ihre wahre Leidenschaft gehört der Kammermusik.

Nicht von ungefähr wird sie mit einem französisch geprägten Duo-Recital am 8. März 2021 nach Gütersloh kommen. Schon bei ihrem ersten Auftritt an der Dalke 2011 begeisterte die Cellistin durch die große Intensität ihres Spiels und ihre Nähe zum Publikum. Zusammen mit ihrem langjährigen Musikpartner Bertrand Chamayou interpretiert sie diesmal unter anderem Werke von Claude Debussy und César Franck. Der Pianist Chamayou gehört in seinem Heimatland zu den Besten seiner Zunft. Er ist der einzige Künstler, der in Frankreich gleich viermal mit dem begehrten Preis „Victoires de la Musique Classique“ ausgezeichnet wurde und der sich zudem den „Orden der Künste“ ans Revers heften darf.

Ganz neue Klangerfahrungen auf bestmögliche und vor allem energiegeladene Art und Weise seinem Publikum zu vermitteln, das hat sich der Perkussionist Martin Grubinger vorgenommen. Unvergessen, wie er bei seinem ersten Gastspiel 2013 in Gütersloh das Theater zum Kochen gebracht hat. Und das möchte er am 13. Mai 2021, wenn er mit einigen (noch nicht feststehenden) musikalischen Freunden zurückkehrt, um „The Colours oft Percussion“ zu präsentieren, gern wiederholen.

Grubinger, der an der Universität Mozarteum Salzburg Professor für klassisches Schlagwerk und Multipercussion ist, der als „artist in residence“ an der Hamburger Elbphilharmonie ebenso für Furore sorgte wie beim Bodenseefestival, hat sich vor allem einen Namen mit unkonventionellen Auftragskompositionen wie Dormanns „Frozen in time“ gemacht. Wer immer schon einmal einen Konzertabend erleben wollte, der tradiertes Hörerleben auf den Kopf stellt, der ist hier genau richtig.

„Entweder ganz oder gar nicht“

Im Gespräch mit der „Glocke“ gaben Christian Schäfer und Karin Sporer Hintergründe ihrer Planung preis und erklärten auch, wie sie sich die Regelung des Besucherstroms vorstellen, wenn sich die Theatertüren wieder öffnen.

„Die Glocke“: Werden die Zuschauer in der Theatersaison 2020/21 nur mit Abstand Platz nehmen können?

Sporer: Wir hoffen, dass der Betrieb ab Herbst wieder normal laufen wird. Eine Beschränkung der Sitzplätze zur Abstandshaltung kommt für uns nicht in Frage. Denn dann hätten wir nur noch 66 Plätze im Angebot, was weder wirtschaftlich noch atmosphärisch sinnvoll ist. Außerdem haben wir rund 4000 Abonnenten, allein im Schauspiel- und Musiktheaterbereich sind es 360 pro Reihe. Wem sollen wir da absagen? Für uns gilt: Ganz oder gar nicht.

Schäfer: Selbstverständlich könnte man Szenarien für 66 Zuschauer auf die Bühne bringen. Im Tübinger Zimmertheater hatte ich früher auch nur 70 Plätze. Aber das ist nichts für Gütersloh. Wir haben hier nicht umsonst das Motto „Erstklassiges erleben“. Und das kann man nicht richtig, wenn das Publikum aus einer Herde einsamer Wölfe besteht. Was wäre das für ein Theater- oder Konzertabend, wenn nicht einmal Paare ihn zusammen im engen Austausch erleben dürften? Das passt vielleicht zu einer Installation der Biennale-Künstlerin Abramovic, aber nicht zu unserem regulären Spielbetrieb. 

Das komplette Interview lesen Sie in der „Glocke“ vom 6. Mai.

SOCIAL BOOKMARKS