Vollzeitpflege: Projekt wird fortgeführt
Foto: Kreis Gütersloh

Birgitt Rohde zieht nach dreieinhalb Jahren Fazit des Projekts ‚Ausbau der Vollzeitpflege, Vermittlung von älteren Kindern und Jugendlichen’.

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Ziel war es, mehr Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien und nicht in Heimen unterzubringen.

Die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) hatte einst dem Kreis empfohlen, die Zahl der Vollzeitpflegefälle auf 65 Prozent zu erhöhen und die Unterbringung in Heimen auf 35 Prozent zu begrenzen. Was für die GPA vornehmlich finanzielle Hintergründe hat – ein Heimplatz ist deutlich teurer als die Unterbringung in einer Pflegefamilie –, ist für die Abteilung Jugend auch fachlich sinnvoll.

Unterbringung in Pflegefamilie oft bessere Alternative

„Die Unterbringung in einer Pflegefamilie ist in vielen Fällen für das Wohl des Kindes die bessere Alternative“, erklärt Rohde. Allerdings gebe es immer wieder Kinder oder Jugendliche, die die speziellen Angebote eines Heims benötigen. 2012 betrug das Verhältnis dem Kreis zufolge 61 (Pflegefamilie) zu 39 Prozent (Heim). 2015 lag die Abteilung Jugend nur einen Punkt unter der von der GPA anvisierten 65-Prozent-Marke. 235 Kinder und Jugendliche lebten in einer Pflegefamilie, 135 in einem Heim. Möglich wurde die Steigerung, weil Rohde und ihr Team einen neuen Blick auf potenzielle Pflegefamilien werfen: „Wir schauen nicht mehr nur nach dem klassischen Optimum bei der Bewertung, ob eine Pflegefamilie geeignet ist. Wir schauen individuell auf die Bedürfnisse des Kindes, auf seine Herkunft und seine Wurzeln.“

Pflegefamilien entsprechen Ebenbild der Gesellschaft

Einfamilienhaus im Grünen, eigene Kinder, mittleres Alter – das Idealbild einer Familie muss nicht immer die Idealfamilie für ein Kind sein, das aus welchen Gründen auch immer, nicht länger oder nur vorübergehend nicht bei seinen leiblichen Eltern sein kann. Durch die Erweiterung des Blickfelds entsprechen die Pflegefamilien mehr dem Ebenbild der Gesellschaft, auch Alleinerziehende, Ältere und Familien mit Migrationshintergrund. Rohde: „Zudem prüfen wir in jedem Fall, in dem ein Kind oder Jugendlicher nicht mehr bei den Eltern leben kann, ob eine geeignete Pflegefamilie in Frage kommt.“

Rohde: „Wir suchen immer Familien“

„Wir suchen immer Familien, gerade solche, die bereit sind, ältere Kinder und Jugendliche aufzunehmen und eine Zeit zu begleiten“, betont Rohde. Die Rück-kehrperspektive in die Herkunftsfamilie und auch die bevorstehende Verselbstständigung seien Szenarien, auf die man sich einstellen müsse. Im Rahmen des Projekts sind neue Pflegefamilien gesucht, ausgewählt und ausgebildet worden. Zwei Mitarbeiterinnen der Abteilung Jugend haben sich zur zertifizierten Fachkraft für Pflegekinderdienste weitergebildet. Aufgrund des Erfolgs des Projekts stimmte der Jugendhilfeausschuss der Verlängerung zu und entfristete die zunächst auf vier Jahre begrenzten 1,5 Stellen.

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