Vom Musical-Star zur Chanson-Diva
Bild: Poetter
Ute Lemper ließ im Haller Gerry-Weber-Event-Center musikalisch ihre Karriere Revue passieren.
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 Den hat sie am Sonntag im Haller Gerry-Weber-Event-Center für rund 800 Fans geöffnet und daraus unter dem Titel „Last Tango in Berlin“ Songs präsentiert, die sie besonders liebt. An ihrer Seite überzeugten Pianist Vana Gierig und Victor Villena am Bandoneon.

„Stellen Sie sich statt dieser Halle ein kleines, intimes Theater im Barock-Design vor“, appellierte Lemper eingangs an die Fantasie ihrer Fans. Das passe besser zu ihrer Musik. Und damit begann sie ihre musikalische Reise „durch die Kapitel meines Lebens“. Erst Stopp war Berlin und Friedrich Hollaenders Klassiker von 1930 „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ aus dem Film „Der blaue Engel“, in dessen Bühnenversion Lemper schon früh glänzte. Dass die Sängerin auch Hollaenders verwegene „Lola“ und mit dem Macky-Messer-Song aus Brechts Dreigroschenoper noch weitere Weill-Lieder im Gepäck hatte, verstand sich fast von selbst.

„Wo ist mein Milord aus Halle?“, rief die Diva kokett lachend ins Publikum, während sie sich mit einigen Tanzschritten elegant um die eigene Achse drehte, um dann den Welthit von Georges Moustaki, der Edith Piaf berühmt gemacht hat, mit geradezu atemberaubender stimmlicher Virtuosität zu interpretieren. Zwischendurch imitierte sie mal eben kurz, aber nicht minder gekonnt mit ihren Stimmbändern den Klang einer Trompete: Jazz und Swing pur. Großartig!

Es folgte ein Sprung nach Argentinien zum Komponisten Astor Piazzolla, aus dessen Feder so poetische Tangos wie „Yo soy Maria“ stammen. Ute Lemper und ihre beiden Musiker, voran Victor Villena am Bandoneon, setzten einmal mehr Akzente. Auch ein auf Jiddisch gesungenes Lied gehörte zum Programm. Der Dialog zwischen den Kulturen sei zu ihrer Mission geworden, verriet die 51-Jährige.

Als sich Ute Lemper mit dem aufrüttelnden Chanson „Amsterdam“ vor dem unvergessenen Jacques Brel verneigte, wurden auch für sie Erinnerungen an die 80er-Jahre wach, an jene Zeit, als sie in Paris wohnte und lernte, wie Poesie und Literatur in Musik umgesetzt werden können. Prägende Eindrücke für die Entertainerin. „Es ist Musik, die mich noch heute inspiriert“, sagte sie und bezeichnete sich als einen der letzten Chanson-Dinosaurier. Viel Applaus und eine Zugabe, die alles sagt: „Non, je ne regrette rien – Nein, ich bedaure nichts.“

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