Vom Wohl und Wehe des Crowdfundings
Weberei-Chef Steffen Böning ist mit dem Stand der in Kooperation mit der Volksbank Bielefeld-Gütersloh initiierten „Kulturhelfer“-Aktion zufrieden. Bislang sind 4281 Euro zusammengekommen. Die Volksbank verdoppelt jede Spende.

 Der Meinung jedenfalls sind die Mitglieder des Round Tables gewesen, die kürzlich mit einer Spende von 2000 Euro für die Aktion „Kulturhelfer“ auf sich aufmerksam gemacht haben. Vielleicht hatten sie sich die in der „Glocke“ von Max Oestersötebier, Frontmann der heimischen Erfolgsband „Sazerac Swingers“, geäußerte Kritik zu Herzen genommen.

Der Sänger und Gitarrist hatte bedauert, dass all die vielen tausend Nutznießer, die seit Jahren die Open-Air-Konzerte bei der „Woche der Kleinen Künste“ und im Format „Freitag 18“ auf dem Dreieckplatz oder auch die Veranstaltungen beim Gütersloher Sommer auf der Freilichtbühne in Mohns Park kostenlosen genossen haben, jetzt, da alle Künstler coronabedingt in einer tiefen Krise stecken, kaum bereit sind, etwas für sie zu spenden.

 Es geht darum, dass die von Auftritts- oder Ausstellungsabsagen gebeutelten Kulturschaffenden die Krise überstehen. Deshalb hatten die Weberei und die Volksbank Bielefeld-Gütersloh bereits im April die vorbildliche Aktion „Kulturhelfer“ ins Leben gerufen. Volksbank-Vorstandsvorsitzender Michael Deitert hatte versprochen: „Jede Spende, die auf der Crowdfunding-Website eingeht, verdoppeln wir.“

In den 48 Tagen, in denen die Aktion jetzt läuft sind bislang 4281 Euro zusammengekommen – von 48 Unterstützern. Während Weberei-Geschäftsführer Steffen Böning das als sehr positiv bewertet – „schließlich haben viele Menschen derzeit Zukunftsangst, müssen sich durch Kurzarbeit einschränken oder unterstützen schon andere Vereine“ –, schüttelt Oestersötebier nur den Kopf. „Wenn jeder der Kostenlos-Konzert-Genießer einen Fünfer oder Zehner geben würde, wäre im Handumdrehen ein satter Betrag für die heimischen Kulturschaffenden beisammen. Das Ganze verdoppelt – damit ließe sich richtig etwas auf die Beine stellen“, rechnete der rührige Bandleiter in der „Glocke“ vor.

Spender sind noch willkommen

Aber noch haben potenzielle Spender bis Ende Juli Zeit, um „Kulturhelfer“ zu werden. „Vielleicht kommen wir doch auf einen fünfstelligen Betrag“, hofft Böning. Verteilen wird ihn eine Jury aus Weberei-, Volksbank- und Round Table-Vertretern. Bislang liegen ihnen 37 Bewerbungen aus der heimischen Kulturszene vor.

Ruhig geworden ist es auch ums Crowdfunding des Fachbereichs Kultur, das im Rahmen der (derzeit wegen mangelnden Interesses ausgesetzten) Aktion „Kulturfaktor live“ initiiert wurde. Ziel war es laut dem stellvertretenden Fachbereichsleiter Michael Deppe, bis zum 21. Juli 5000 Euro für die Kulturschaffenden zu sammeln. Gerade einmal 293 Euro zeigt das Konto aktuell an.

 „Das mag auch daran liegen, dass viele auf die Ticket-Rückerstattung für Theater- oder Konzertkarten verzichtet und das Geld schon gespendet haben“, versucht Deppe eine Erklärung. Ob die digitalen Interviews und Kurzporträts  demnächst weiterlaufen, steht noch nicht fest. „Das Interesse an Online-Aktionen wie diesen scheint abzuflauen“, sagt Deppe.

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