Von der Schönheit des Verfalls
André Winternitz dokumentiert mit seiner Kamera die Schönheit des Verfalls.

„Fast niemand beachtet mehr diese stummen Zeugen in unseren Zentren oder in den Industriegebieten. Sie wirken vergessen, verstoßen“, findet der 33-Jährige.

Einst hätten an diesen Orten Schweiß, Staub und Maschinenlärm oder pure Muskelkraft das Bild bestimmt. Übrig geblieben seien „Bauwerke, die verfallen, von der Natur zurückerobert werden und ihrem Schicksal überlassen sind.“

Dieser meist architektonisch atemberaubenden Objekte hat sich André Winternitz seit einigen Jahren angenommen. Er fotografiert und filmt in seiner Freizeit marode Gebäude – regional und deutschlandweit. Das Material wird archiviert und online gestellt. Die Internetseite betreibt der Schloß Holter seit Ende 2009. Rund 100 Objekte sind dort bereits zu finden.

„Rotten ist nicht abwertend“ 

Das englische Wort „rotten“ möchte Winternitz nicht abwertend verstanden wissen. Es steht für ihn für „verfallen“ oder „vergessen“. „Verfall ist für mich atemraubende Schönheit. Die brachliegenden, teils vergessenen Gebäude faszinieren mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich auf meinen Fototouren unterwegs bin“, sagt der 33-Jährige.

Seine Objekte findet er bei Recherchen im Internet, in Stadtarchiven oder durch Hinweise aus der Bevölkerung. Sobald ein neues Gebäude gefunden ist, plant er eine Fototour und fertigt, je nach Größe eines Objekts, bis zu 500 Fotos oder mehrere Stunden Filmmaterial an.

Rund 60 Objekte

Die Ergebnisse werden nach einer sorgfältigen Nachbearbeitung im Internet veröffentlicht. „Es befinden sich noch rund 60 Objekte im Privatarchiv, die bereits dokumentiert und abgearbeitet werden müssen“, sagt Winternitz.

Dieses Jahr sind wieder Mehrtagestouren nach Ostdeutschland, Belgien, die Niederlande, aber auch ins Ruhrgebiet oder Saarland geplant. Die von André Winternitz auf seiner Webseite veröffentlichten Fotografien werden in vielen Internetforen diskutiert, von Heimatvereinen genutzt und von Medien genutzt.

Er wünscht sich neue Hinweise zu Gebäuden oder Objekten aus der Bevölkerung, von Eigentümern, Immobilienverwertern oder ortskundigen Menschen. Denn: „Nur so ist eine zeitnahe Erfassung und ein lebendiges Archiv im Internet möglich, bevor der Abrissbagger anrollt und ein weiteres Stück Geschichte auslöscht.“

SOCIAL BOOKMARKS