Westfalia fährt gestärkt aus der Krise
Bild: Grujic
Klares Standortbekenntnis: „Hier sind wir verwurzelt“, sagt Westfalia-Geschäftsführer Mike Reuer über die Heimat des ostwestfälischen Reisemobilherstellers Westfalia. Im Stammwerk an der Franz-Knöbel-Straße beschäftigt das Unternehmen aktuell 160 Mitarbeiter.
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„Wir haben unsere Modellpalette ausgebaut und im zurückliegenden Jahr einen Gewinn im siebenstelligen Bereich erzielt“, sagte Geschäftsführer Mike Reuer am Freitag bei der Vorstellung des „Amundsen 540“.

Komfortabel und kompakt

Mit dem kompakten, 5,40 Meter langen Einstiegsmodell will sich Westfalia am unteren Ende der Preisskala neu positionieren. Das Reisemobil auf Basis des Fiat Ducato biete mit Nasszelle, Küche, fest installiertem Doppelbett und komfortablen Sitzgelegenheiten vielfältige Einsatzmöglichkeiten, sagte Reuer. „Der ,Amundsen‘ vereint auf überschaubarer Grundfläche die Funktionen Wohnen, Kochen, Schlafen und Erfrischen.“

Rückkehr ins Premiumsegment

Mit dem „Amundsen 540“, der offiziell auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf Ende August präsentiert werden soll, ist der Ausbau des Westfalia-Portfolios aber längst nicht abgeschlossen. Zurzeit arbeite das Wiedenbrücker Unternehmen am Konzept für ein gehobenes Mittelklasse-Reisemobil auf Basis des „T 5“ von Volkswagen. Auf lange Sicht sei auch die Rückkehr ins Premiumsegment mit zwei Varianten des einstigen Westfalia-Flaggschiffs „James Cook“ geplant, erklärte Reuer. Mit den aktuellen Reihen „Amundsen“, „Columbus“ und „Club Joker“ sei der ostwestfälische Wohnmobilhersteller aber schon heute gut aufgestellt. Reuer: „Man nimmt uns als eigenständige Marke durchaus wahr.“

3300 Fahrzeuge pro Jahr

3000 Fahrzeuge, die in Auftragsarbeit für die Marken Mercedes-Benz, Ford und Opel produziert werden, verlassen pro Jahr das Werk an der Franz-Knöbel-Straße in Wiedenbrück. Hinzu kommen 300 Exemplare der selbst entwickelten Westfalia-Modelle auf Basis von Fiat und VW. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 45 Millionen Euro. Reuer ist zuversichtlich, dieses Niveau halten zu können.

Die Entwicklungsabteilung arbeitet nach Auskunft des Geschäftsführers mit Hochdruck an der neuen „Marco Polo“-Variante „VS 20“ auf Grundlage der neuen V-Klasse von Mercedes-Benz. Bereits abgeschlossen sei die Entwicklung des „Ford Nugget“-Nachfolgers. 150 Exemplare seien bereits ausgeliefert worden, 800 Stück vorbestellt. Von 2015 an werde Westfalia auch im Auftrag von Citroen und Peugeot jeweils ein Reisemobilmodell fertigen, bestätigte Reuer. Der Vertrag mit dem französischen Mutterkonzern PSA sei unterzeichnet.

Klares Standortbekenntnis

Keine Zweifel lässt Westfalia-Geschäftsführer Mike Reuer an der Standorttreue des Traditionsunternehmens aufkommen. „Wir bleiben in Wiedenbrück“, betonte er am Freitag bei der Vorstellung der aktuellen Produktpalette auf dem Gelände des A2-Forums in Rheda. „Hier sind wir verwurzelt, hier fühlen wir uns zuhause.“

Dass im zurückliegenden Jahr vergleichsweise wenige neue eigene Modelle präsentiert wurden, erklärte Reuer mit dem florierenden OEM-Zweig. Als Originalausrüstungshersteller (englisch: Original Equipment Manufacturer) fertigt Westfalia in Auftragsarbeit zahlreiche Reisemobile für bekannte Marken wie Mercedes oder Ford. Auch die Entwicklung dieser Modelle fällt zum Großteil in den Zuständigkeitsbereich von Westfalia. „Allein mit dem neuen ,Marco Polo‘ haben unsere Ingenieure alle Hände voll zu tun“, sagte Mike Reuer. „Die umfangreichen Sicherheitsstandards fordern ihren Tribut.“ Das OEM-Geschäft sei für Westfalia von besonderer Bedeutung. „Es gab uns nach der Insolvenz den Spielraum, wieder eigene Modelle zu entwickeln.“

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