„Wir zeigen zu wenig Realität“
Bild: Neitemeier

Gestalten die Arbeit der Kreis-Züchtervereinigung im Beirat mit: (v. l.) Vorsitzender Friedrich-Wilhelm Temme (Borgholzhausen), Carsten Frentrup (Steinhagen), Geschäftsführer Wilfried Jüngst (Warendorf), Bernhard Förster (Rietberg), Hartmut Landwehr (Steinhagen), Dirk Baumeister (Gütersloh-Isselhorst) und Helmut Tönsfeuerborn (Verl).

Bild: Neitemeier

 „Wir zeigen zu viel Idylle und zu wenig Realität“, erklärte der Chefredakteur des Fachmagazins Top Agrar am Dienstag im Gasthof Tatenhausen in Halle. Beispielsweise müsse man Verbesserungen beim Tier- und Umweltschutz darstellen und einen konstruktiven Dialog mit den Kritikern suchen. Massentierhaltung sei nicht grundsätzlich schlecht. „Entscheidend ist, dass es den Tieren gut geht, egal ob 1000 oder 10 000 Küken in einem Stall sind“, so Schulze Pals.

Landwirtschaft braucht Imagekampagne

Der Agrarwissenschaftler und frühere stellvertretende Abteilungsleiter im NRW-Landwirtschaftsministerium forderte nach dem Beispiel des Handwerks eine bundesweite „Imagekampagne mit hoher Symbolkraft“. Es gebe viele gute Ansätze wie den Tag des offenen Hofs. Aber, so der Chefredakteur, „der muss bundesweit an einem einheitlichen Datum stattfinden“. Zudem lassen sich Schulze Pals zufolge sogenannte Lerchenfenster auf den Feldern gut darstellen. Auch die Aktion Tierwohl sei ein guter Anfang. Doch einzelne Bausteine reichten nicht. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept.“

Dass das viel Geld koste, sei klar. Aber Landwirtschaft, Produzenten und der Handel müssten an einem Strang ziehen. Öffentlichkeitsarbeit ist für Schulze Pals auch als zentrales Thema für einen deutschen Bauerntag denkbar.

Widersprüchlichkeit bei Verbrauchern

Landwirtschaft stecke in einem Teufelskreis, analysierte der Chefredakteur weiter. Einerseits seien Bauern hinter Ärzten und Lehrern die Berufsgruppe mit der dritthöchsten gesellschaftlichen Bedeutung, andererseits sorgten Kritiker mit medienwirksamen Aktionen immer wieder für Negativschlagzeilen, auch, weil nicht jeder Landwirt sich korrekt verhalte.

Widersprüchlich sei zudem, dass viele Verbraucher vernünftig erzeugte (Bio-)Produkte forderten, an der Ladentheke aber oft nicht bereit seien, mehr Geld dafür auszugeben. Schulze Pals: „Wir müssen uns mehr in die Debatte einmischen und Kritikern wie Verbrauchern unsere gute Arbeit entgegenhalten.“

Ein Appell, den Friedrich-Wilhelm Temme als Vorsitzender der Züchtervereinigung nur unterstreichen konnte. Der Borgholzhausener hatte zuvor erklärt, auch Höfe müssten wie jeder andere Wirtschaftsbetrieb wachsen dürfen. Entziehe man ihnen aber mit dem Boden die Grundlage der Arbeit, müsse man auf kleineren Flächen intensiver produzieren.

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