Wohlfahrtsverbände geben OP-Masken aus
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Die neue Maskenpflicht hängt Einkommensschwache gnadenlos ab: Das meinen Vertreter der christlichen Kirchen und der Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie im Kreis Gütersloh.
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Ab kommender Woche, Montag, 1. Februar 2021, verteilen sie über ihre Beratungsstellen insgesamt mehr als 30.000 OP-Masken kostenlos an Bedürftige.

„Was ist, wenn man zu arm für eine Maske ist?“

Wer seit dieser Woche einkaufen, in die Apotheke oder zum Arzt gehen will, benötigt einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz oder eine FFP2-Maske. „Doch was passiert, wenn man einfach zu arm für solch eine Maske ist?“, fragen Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der Diakonie Gütersloh und der Caritas im Kreis Gütersloh in einer Mitteilung.

Gemeinsam fordern sie von der Politik: „Unterstützt bedürftige und in Not geratene Menschen. Lasst sie durch die Krise nicht noch ärmer werden.“ Wohnungslose, einkommensschwache Haushalte, Sozialhilfe- und Hartz-IV-Empfänger, aber auch Familien habe die Pandemie besonders hart getroffen, heißt es weiter. Die neue Maskenpflicht bedeute eine weitere Belastung.

Kurzarbeit und gestiegene Lebenshaltungskosten erschweren Situation

„Es sind längst nicht nur diejenigen, die bereits am Rande der Gesellschaft stehen, von einer finanziellen Not betroffen“, sagt Björn Neßler, Vorstand des Diakonie Gütersloh und Geschäftsführer der Diakonie-Verband Brackwede GmbH. Denn durch Kurzarbeit und gestiegene Ausgaben für Lebenshaltung – jetzt auch für Masken – wüssten immer mehr selbst „ganz gewöhnliche“ Familien nicht mehr, wie sie den Gürtel noch enger schnallen sollten. „Deswegen müssen Lösungen her, wie bedürftigen Menschen der wichtige Schutz kostenlos zur Verfügung gestellt werden kann.“

„Notwendiger Schutz kommt manche teuer zu stehen“

Statt auf eine langwierige politische Lösung zu warten, starten Diakonie und Caritas ihre Verteil-Aktion. So könne zumindest einem Teil der Betroffenen schnell und unbürokratisch geholfen werden. Denn der notwendige Schutz komme den Einzelnen teuer zu stehen. Während Pflegedienste wie die Diakonie Gütersloh die besonders sicheren FFP2-Masken derzeit für 70 bis 90 Cent das Stück erwerben könnten, gingen sie im Laden auch schon einmal für 2,50 Euro pro Exemplar über die Theke, heißt es in der Mitteilung weiter. Zum Vergleich: Im Regelsatz stünden einem Hartz-IV-Empfänger pro Monat 2,63 Euro für medizinische Produkte zu, heißt es in der Mitteilung weiter.

Schneider: „Sozial benachteiligte Menschen wurden bei der Ausweitung der Corona-Schutzmaßnahmen vergessen.“

Auch Pfarrer Frank Schneider, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Gütersloh, beobachtet diese neuen Regelungen mit Sorge: „Sozial benachteiligte Menschen wurden bei der Ausweitung der Corona-Schutzmaßnahmen vergessen.“ Solidarisch und christlich sei es, auch weiterhin auf die Schwächsten zu schauen. „Und dazu zählen nicht nur unsere älteren Mitbürger, sondern auch sozial benachteiligte Menschen – und eben auch Familien und Bezieher von kleinen Renten.“

„Zunehmende Spaltung der Gesellschaft“

Dechant Josef Dieste von der katholischen Kirche ergänzt: „Das politische Versäumnis, armen Menschen durch die Corona-Krise zu helfen, wird damit erneut offenbart.“ Er sieht eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft – einer Gesellschaft, in der ein Teil immer weiter ins Abseits gerate. Volker Brüggenjürgen, Vorstand des Caritasverbands für den Kreis Gütersloh, sieht die Empfänger von Hartz IV und von Kurzarbeit betroffene Familien dadurch vor einer existenziellen Wahl.

Erhöhtes Risiko von Virusübertragung

„Kaufe ich für meine Familie und mich medizinische Masken oder kann ich ihr ein frisches Mittagessen auf den Tisch stellen?“, bringt er das Dilemma auf den Punkt. Die Verantwortlichen weisen auf eine Gefahr hin: Masken werden länger getragen, als sie sollten – was das Risiko einer Virusübertragung erhöht. „Grundsätzlich ist gegen eine Pflicht zum medizinischen Mund-Nase-Schutz nichts einzuwenden“, sind sich daher alle Beteiligten einig. „Aber dann muss auch jedem die Chance gegeben werden, dieser Pflicht nachzukommen – ohne dass es zulasten von Sicherheit oder schlichtweg dem Essen auf dem Tisch geht.“ Weitere Informationen zur Maskenausgabe gibt es zeitnah auf den Webseiten der Diakonie Gütersloh und Caritas Gütersloh.

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