Zehn Jahre „Gütersloher Praxis“
Wenn sich zwei Elternteile streiten und scheiden lassen wollen, ist oftmals das gemeinsame Kind der Leidtragende. Um das zu verhindern, ist vor zehn Jahren die „Gütersloher Praxis“ gegründet worden.

Seit des Inkrafttretens des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit im September 2009 kommen regelmäßig Vertreter der beteiligten Berufsgruppen zusammen, um über die stetige Verbesserung der „Gütersloher Praxis“ zu beraten.

Die „Gütersloher Praxis“ ist eine speziell für den Amtsgerichtsbezirk Gütersloh entwickelte und abgestimmte Verfahrensweise, die im Fall von Trennung oder Scheidung zur Regelung der elterlichen Sorge und Besuchskontakten von Kindern angewendet wird. Ziel ist es, den Eltern eine schnelle Einigung ohne langwieriges Gerichtsverfahren zu ermöglichen.

Die Mütter und Väter tragen auch bei einer Trennung weiterhin die Verantwortung für ihre gemeinsamen Kinder. Doch manchmal fällt es im Konflikt miteinander schwer, die eigene Elternverantwortung wahrzunehmen und geeignete Lösungen sowie Regelungen für die Kinder zu finden.

Wenn es um die Belange der Kinder geht, informiert das Familiengericht über die „Gütersloher Praxis“ und empfiehlt entsprechende Beratungsstellen, die dabei unterstützen können, das Kind und sein Wohlergehen in den Mittelpunkt zu rücken. Das erste Beratungsgespräch kann mit Hilfe eines beschleunigten Verfahrens bereits innerhalb von 14 Tagen nach der Kontaktaufnahme stattfinden.

Die Beratungsstelle unterstützt die Eltern einerseits bei der Bewältigung von Konflikten und Krisen sowie anderseits dabei, wieder einen fairen und respektvollen Umgang miteinander zu finden. Die Bedürfnisse der Kinder werden in diesem Beratungsprozess besonders in den Mittelpunkt gestellt. Während der Zeit der Beratung ruht das Verfahren und neue gerichtliche Verfahren dürfen nicht initiiert werden. Nach drei bis sechs Monaten melden die Beratungsstellen dem Gericht und dem Jugendamt zurück, ob die Beratung erfolgversprechend ist.

Mit Hilfe der Beratungsstelle soll abschließend eine tragfähige und einvernehmliche Regelung erarbeitet werden. Nur bei der Wiederaufnahme der Verhandlung müssen die Eltern die erzielte Einigung dann wiedergeben und können das Verfahren abschließen. Die „Gütersloher Praxis“ feiert jetzt ihr zehnjähriges Bestehen und hofft einer Mitteilung zufolge, auch in Zukunft schnelle und einvernehmliche Einigungen zum Wohl des Kindes zu ermöglichen.

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