Mit dem Pinsel taucht Maler Wolfgang Beck in den Farbtopf, dann zieht er die feinen Linien der Hausinschrift nach und verziert die Ornamente. Bis Ende Juli sollen die Malerarbeiten abgeschlossen sein.

Seit eineinhalb Jahren verbirgt sich das Veerhoffhaus vor der Öffentlichkeit. Wie ein Korsett umringen Bauzäune das Fachwerk, Planen versperren die Sicht. Doch an der Fassade und im Inneren hat sich vieles verändert. Die Bauarbeiten laufen mit Hochdruck dem Ende zu.

Mit dem Pinsel taucht Maler Wolfgang Beck in den Farbtopf, dann zieht er die feinen Linien der Hausinschrift nach und verziert die Ornamente. In enger Absprache mit Ulrich Paschke von der Denkmalbehörde der Stadt wurden die alten Farbtöne vorab dokumentiert und vom Malerteam der Firma Rickmann neu angemischt. „Ganz sauber werde ich die Linien aber nicht hinbekommen“, sagt Wolfgang Beck. Er müsse schließlich mit Naturholz arbeiten, das im Lauf der Zeit Risse und Unebenheiten bekommen habe. Doch gerade das mache den Charme des Fachwerkhauses aus.

Heute hat dort der Kunstverein des Kreises Gütersloh seinen Sitz. Ein Übergangsquartier war für die Restaurierungszeit in der Hohenzollernstraße schnell gefunden. Damit der Verein das Veerhoffhaus auch in Zukunft nutzen und erhalten kann, waren umfassende Sanierungsarbeiten nötig. 360 Jahre und etliche Besitzer gehen nicht spurlos an einem Gebäude vorbei. „Besonders die Südfassade war stark betroffen“, sagt Anton Bussmann vom Architektenbüro Schröder und Gaisendrees.

Mit viel Liebe zum Detail und Erfahrung machten sich die Handwerker an die Sanierung. Nach der Dacherneuerung wurde in einem ersten Bauabschnitt im vergangenen Jahr das Haus mit Pfeilern abgestützt und entkernt. Marodes Mauerwerk wurde entfernt, die jahrhundertealten Gefache lagen frei. Teilweise hätte der Zimmerer auch alte Holzstreben im Fachwerk erneuern müssen. Dann bekam das Veerhoffhaus von innen eine Wärmedämmung. Eine Wandheizung unter dem Lehmputz sorgt für angenehmes Raumklima und Energieeffizienz. Neue Elektroleitungen und Strahler setzen auch in Zukunft alle Exponate des Kunstvereins in Szene.

Bis zur offiziellen Schlüsselübergabe durch die Stadt Mitte September ist es nicht mehr lange hin. „Wir liegen sehr gut in der Zeit“, meint Bussmann. Anfang August wird das Außengerüst entfernt, dann sanieren die Handwerker den Sockel und pflastern die Außenanlage.

Zur Geschichte

Auf dem Platz rund um die Alte Kirche wurde den Bauern im 14./15. Jahrhundert die Errichtung von Spiekern (Speichern) erlaubt. Ab etwa 1600 wurden sie allmählich für Wohnzwecke genutzt. Das Haus Am Alten Kirchplatz 2 ist seit 1649 als Spieker schriftlich belegt (1647 - 1649 erbaut). 1865 erwirbt der Zigarrenfabrikant Ludwig August Veerhoff (1826-1905) aus Rheda 1865 das Haus. Veerhoff betrieb bereits seit 1856 eine „Cigarren-Fabrik“ in Gütersloh und ab 1859 einen Handel mit Kolonial- und Manufakturwaren. 1910 eröffnet dessen Schwiegertochter dort eine Musikalienhandlung. Im März 1939 geht das Haus in städtischen Besitz über. 1973 Nach Umbau und Renovierung wird das Haus dem Kunstverein des Kreises zur Verfügung gestellt, dessen Domizil und Ausstellungsort es seither ist. Vor zwei Jahren begann die Stadt Gütersloh mit umfangreichen Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten, die im August abgeschlossen wurden.

SOCIAL BOOKMARKS