1200 Studierende sind das Ziel
Bild: Dinkels
Allianz für Gütersloh: Die Pläne für den Studienort stellten (v. l.) Professor Dr. Lothar Budde (Fachbereichsdekan), Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk (FH-Präsidentin) sowie Dietmar Bell und Hans Feuß von der SPD-Landtagsfraktion am Donnerstag im Gebäude an der Schulstraße vor.
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Voraussetzung: Der Landtag segnet den Haushalt für das kommende Jahr ab. Über die Zusage und das Konzept für den Standort Gütersloh haben am Donnerstag Fachhochschule und Vertreter der SPD-Fraktion in einer gemeinsamen Pressekonferenz informiert.

„Die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft stellt in ihrer vorbildlichen Qualität ein Heraushebungsmerkmal dar“, sagte Dietmar Bell, Sprecher der SPD-Landtagsfraktion im Ausschuss für Innovation, Wissenschaft und Forschung. Die mit dem Konzept geplante Internationalisierung und Digitalisierung von Lehre und Forschung entspreche den Zielen der Landespolitik. Bell stellte klar, das Geld solle dauerhaft fließen.

Gütersloh sei „ein Erfolgsmodell“, schwärmte FH-Präsidentin Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk. Sie dankte den Beteiligten für ihr Durchhaltevermögen. „Aktuell hat der Studienort allerdings noch nicht die erforderliche Mindestgröße erreicht, die einen dauerhaften wirtschaftlichen Betrieb erwarten lässt“, sagte die Präsidentin.

Zurzeit studieren in Gütersloh 250 junge Menschen in den beiden praxisintegrierten Bachelor-Studiengängen Wirtschaftsingenieurwesen und Mechatronik/Automatisierung. Schon im nächsten Herbst sollen den Plänen zufolge zwei berufsbegleitende Master-Studiengänge sowie drei praxisintegrierte Bachelor-Studiengänge Logistik, Produkt-Service Engineering und Digitale Technologien/Data Science mit jeweils an die 30 Studenten hinzukommen.

Außerdem sind die Gründung eines Zentrums für angewandte Datenforschung und einer sogenannten Digital Factory, einer von der Wirtschaft unterstützten komplett ausgestatteten digitalen Lernfabrik, vorgesehen.

Zum Vergleich: Aktuell beläuft ich das jährliche Budget für den Studienort Gütersloh laut FH-Präsidentin einschließlich zweier Stiftungsprofessuren auf rund zwei Millionen Euro. Er wird finanziert aus Mitteln der FH, die aus dem Hochschulpakt stammen. Insgesamt sind in Gütersloh sieben Professoren tätig. Zwei weitere Stiftungsprofessuren, die das Verler Unternehmen Beckhoff Automation finanzieren wird, sind aktuell ausgeschrieben.

Der Studienort Gütersloh soll bis 2022 schrittweise zu einem eigenständigen Fachbereich mit eigener Leitung ausgebaut werden. Das Konzept, das ein Lenkungskreis aus Vertretern von Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft erarbeitet hat, sieht in der Endstufe an die 1200 Studierende in 15 Studiengängen mit 33 Professoren vor. Darunter sind allein fünf englischsprachige Studiengänge, die sich an Interessenten aus aller Welt richten sollen.

„In die Vollen“

FH-Präsidentin Ingeborg Schramm-Wölk: „Internationalisierung bedeutet, dass wir in Gütersloh junge Menschen aus der ganzen Welt begrüßen werden.“ Gleichzeitig würden von Gütersloh aus Menschen in andere Länder geschickt.

Der Finanzbedarf auf lange Sicht wird auf 7,6 Millionen Euro im Jahr beziffert. Es besteht neben der aktuellen Zusage also noch eine Finanzierungslücke von fünf Millionen Euro.

Schon jetzt ist klar, dass die Räumlichkeiten im Flöttmann-Gebäude an der Schulstraße nicht ausreichen werden. Zurzeit nutzt die Fachhochschule die beiden obersten Etagen mit insgesamt 1200 Quadratmetern. Laut Schramm-Wölk wird das schon im nächsten Herbst nicht mehr reichen: „Wir brauchen Übergangslösungen.“ Für die Umsetzung des Konzepts in der Endstufe benötige man rund 8000 Quadratmeter Fläche. Die lassen sich an der Schulstraße nicht realisieren. Es gebe Alternativen, sagte die Präsidentin, ohne ins Detail zu gehen. Sie wisse aber, dass etwa der Einzelhandel es bevorzugen würde, wenn die Studierenden in der Stadt weilten. Wie berichtet, ist eine Standort-Option die Kaserne an der Verler Straße, die 2018 frei wird.

Das Konzept steht und fällt mit der Finanzierung, mit ausreichend Studierenden und mit den Professoren, die es für den Standort Gütersloh zu gewinnen gilt. Der SPD-Landtagsabgeordnete Hans Feuß sagte, SPD und Grüne würde jetzt genehmigen, was CDU und FDP zuvor abgelehnt hätten.

Den FH-Studienort Gütersloh gibt es seit 2010. Professor Dr. Lothar Budde, Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik, sagte, Industrie, Stadt, Kreis und Fachhochschule hätten gemeinsam etwas aufgebaut, wo sich alle wiederfänden. Das Konzept soll jetzt zügig umgesetzt werden. Ingeborg Schramm-Wölk versprach: „Wir werden ab sofort in die Vollen gehen.“

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