37-Jähriger wegen Zuhälterei vor Gericht
Bild: Bojak
Steht wegen schweren Menschenhandels und ausbeuterischer Zuhälterei vor Gericht: Ein 37-jähriger Mann der in Dortmund geboren wurde und seit einigen Jahren in Gütersloh lebt.
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So steht es in der Anklageschrift des Prozesses gegen den 37-Jährigen und eine 22-Jährige (kleines Bild), die das Opfer ebenfalls gezwungen haben soll, sexuelle Dienste an Freier zu verkaufen. In der ersten Sitzung der zweiten Strafkammer am Landgericht Bielefeld unter dem Vorsitz von Richter Carsten Wahlmann trug die Staatsanwältin vor, wie der Angeklagte seine Ex-Freundin gezwungen haben soll, sich zu prostituieren. Zunächst habe er ihr Mitte 2013 vorgeschlagen, auf diese Art und Weise Geld für den gemeinsamen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Angeklagte selbst gab bei der Prozesseröffnung am Dienstag an, er habe keine Ausbildung.

Drogen und Alkohol finanziert

Seine damalige Ex-Freundin hatte bei Arvato gearbeitet. Als sie diese Stelle verlor, beantragte sie Hartz IV. Sie überließ dem Angeklagten sowohl diese Unterstützung als auch ihre Karte für ihr Bankkonto, so dass ihr Partner jederzeit auf ihr Guthaben zugreifen konnte – immer in der Hoffnung, dass sie beide noch einmal zusammenfinden würden. Auch das Geld, das sie als Prostituierte verdiente, gab sie bereitwillig dem Mann, der ihr erzählt haben soll, er wolle damit den gemeinsamen Haushalt finanzieren. „Aber er wollte die Einnahmen nur für sich“, betonte die Staatsanwältin. Er habe davon Betäubungsmittel, Mietwagen und Alkohol bezahlt.

Dienste im Internet angeboten

Selbst als die Beziehung Ende 2013 auseinanderging, ließ der Angeklagte seine Ex-Partnerin weiter als Prostituierte arbeiten und sich das Geld auszahlen. „Sie wollte aufhören, aber er ließ das nicht zu“, sagte die Staatsanwältin. Er habe bestimmt, wie viele Kunden sie täglich zu bedienen habe und wieviel Geld sie für welche sexuelle Dienstleistung zu verlangen habe. Die Dienste angeboten habe er auf verschiedenen Internetseiten.

Paar bedroht das Opfer gemeinsam

Als der Angeklagte schon mit einer anderen Frau eine Beziehung führte, kam er trotzdem immer wieder in die Wohnung des Opfers. An einem Abend soll er dort getrunken und seine Ex-Freundin zum Sex gezwungen haben. Als sie vor Schmerzen geschrien habe, soll er die Frau angewiesen haben, sich ein Kissen vor den Mund zu halten. Auch als die Gütersloherin in eine andere Wohnung zog, verfolgte der 37-Jährige sie weiter. Er nistete sich sogar mit seiner neuen Freundin – die jetzt gemeinsam mit ihm vor Gericht steht – bei der Ex-Partnerin ein. Von da an übte das Paar gemeinsam Druck auf das Opfer aus, das sich erst Monate später befreien konnte.

Wann sich das Opfer befreien konnte lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der „Glocke“ vom 25. Oktober 2016

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