Alles eine Frage der Sichtweise
Bild: Pieper
Klappe, die vierte: (v. l.) Sarah Verleger, Jörn van Cranenburck und Sören Johannsmann von der Janusz-Korczak-Gesamtschule bei  ihren Dreharbeiten zum GT-Clip „Sichtweise“.
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Dabei gilt, in 90 Sekunden mit, vor und hinter der Kamera eine komplette Geschichte zum Thema „Sichtweise“ gekonnt zu inszenieren und technisch professionell zu präsentieren. 21 Gruppen aus dem Kreis beteiligen sich an dem Filmprojekt, mit dem das Kreismedienzentrum einmal mehr die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken will. Dazu stellt es den Teilnehmern Profis vom Bielefelder Kanal 21 zur Seite, die den jungen Akteuren nicht nur das technische Equipment in die Hand drücken, sondern auch Tipps für Darstellung oder Kameraeinstellung liefern.

Vorbei die Zeiten, als noch mit lautem Klack und kurzem „Klappe, die vierte!“ die nächste Szene begann. Moderne Filmer haben die Angaben zu den einzelnen Sequenzen auf dem Laptop. Ein kurzer Schwenk mit der Kamera darauf und man hat alle notwendigen Daten für den späteren Schnitt. Jetzt kann sich Kameramann Jörn van Cranenburck ganz auf den Schauspieler Sören Johannsmann konzentrieren, der gerade dabei ist, sich die passenden Brillen für die unterschiedlichen Welt-Ansichten zu bestellen.

Gefilmt wird in einem leeren Klassenraum, dirigiert von Lea Röhder, die das Storyboard führt, und aufmerksam beäugt vom freien Filmregisseur Nils Dunsche. „Das Team ist gut, da muss ich nicht groß eingreifen“, attestiert er dem Nachwuchs.

Kein Wunder, gibt es doch an der Schule als Fach „Kultur und Medien“, das auch den Umgang mit der Kamera trainiert. Die Gruppe um Jörn, der später über die Ausbildung zum Kameramann ins Regiefach will, hat unter anderem eine Bertelsmann-Dokumentation erstellt und war jüngst in Berlin. Dort drehten die Schüler zum Thema „Verborgene Helden“ in einer Hebammenpraxis. Gezeigt wurde der Streifen dann im Sony-Center – wo neun Schulen, darunter die Gütersloher Gesamtschule, für ihren berufswahlfördernden Unterricht ausgezeichnet wurden. Eine Anerkennung, die die Filmcrew mit ihrem Lehrer Michael Zay freudestrahlend entgegennahm.

Mann muss Biss haben

Noch eine zweite, unerfahrenere Gruppe der Gesamtschule macht mit bei der Aktion: Ihre Sichtweisen-Geschichte zeigt ein Interview mit Überlebenden eines Flugzeugabsturzes. Die eine hat ihn als Blinde erlebt, die andere ist durch das Unglück taub geworden.

Das Gespräch wird draußen auf der grünen Wiese geführt. „Zoom auf das Ohr und dann auf die Hände, damit du die Gebärdensprache einfangen kannst“, empfiehlt Olaf Hühold, medienpädagogischer Trainer beim Kanal 21. „Die Detailsequenzen brauchen wir, um sie später in den Film zu schneiden.“ Kamerafrau Jessica Dudu folgt konzentriert den Anweisungen. 49 Minuten hat sie schon im Kasten und es graust ihr davor, sie auf die erlaubten 1,5 Minuten zusammenzuschneiden. Aber es gibt immer wieder kleine Verhaspler und Stolperer, weshalb die Szenen wiederholt werden müssen.

„Aber wir kriegen das hin“, sind sich Anna Milikic, Lilith Andreys, Jannis van der Veen und Julian Kaminke sicher. „Das ist die richtige Einstellung“, lobt Hühold. „Man muss schon Biss haben beim Film, egal ob vor oder hinter der Kamera.“ Und das ist keine Frage der Sichtweise, sondern eine schlichte Tatsache.

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