Ambra sucht das Gold der Gourmets
Bild: Pieper
Annett Rassfeld hat mit ihrem Trüffelsuchhund Ambra eine Lagotto-Romagnolo-Zucht begonnen.
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Aber Ambra ist gar nicht an Ostereiern interessiert, denn die - Hündin ist ein ausgebildeter Trüffelhund – und der ganze Stolz von Annett Rassfeld.

Wer zum Meierhof Winterhoff am Pavenstädter Weg 172 kommt, den warnt ein Schild vor dem bissigen Hund. Womit aber sicher nicht Ambra gemeint ist. Die entpuppt sich als graulockiges, wolliges, gut 45 Zentimeter hohes, absolut liebenswertes Energiebündel auf vier Beinen. Weshalb Annett Rassfeld sich Ambra 2011 auch als Familienhund angeschafft hat.

„Dass der Lagotto Romagnolo zu den ältesten Wasser- und Aportierhunden gehört, wusste ich zwar, aber nicht, dass er in Italien als Arbeitstier bei der Trüffelsuche eingesetzt wird“, erzählt die 49-Jährige. Schnell war klar, dass die aufmerksame und lerneifrige Ambra gut beschäftigt sein will. Doch wie geht man auf Trüffelsuche?

Annett Rassfeld meldete sich zu Seminaren beim Pilz- und Trüffelexperten Dieter Honstraß an, um erst einmal Grundlegendes über die von Meisterköchen und Gourmets so verehrte Knolle zu lernen. Es gibt zig verschiedene Arten, wobei der weiße oder Alba-Trüffel der teuerste und begehrteste ist. Es folgen der schwarze Perigord- und der Burgundertrüffel, der auch in der Bundesrepublik oft zu finden ist.

Schon auf hethitischen Tontafeln finden sich Abbildungen von Trüffeln. An den römischen Tafeln von Trajan und Lukullus wurde er ebenso serviert wie am Hof deutscher Kurfürsten. Bis ins ausgehende 18. Jahrhundert wurden Trüffel nur in natürlich gewachsenen Eichenwäldern gesucht. Erst danach begann man in Frankreich mit dem Versuch Trüffelhaine anzulegen. Heute wird der größte Anteil der Trüffel auf diese Weise geerntet. Auch in Deutschland gibt es erste Plantagen, wo die Wurzeln des Edelpilzes zur Symbiose mit anderen Baumwurzeln gebracht werden, damit sich die begehrten Knollen entwickeln. Auf dem Trüffelmarkt im italienischen Alba werden Rekordpreise erzielt: 2006 zahlte ein Käufer aus Hongkong für drei weiße Trüffeln (1,5 Kilo) 125 000 Euro. Wurden die Trüffel früher mit Hilfe von Schweinen aufgespürt, die das Erdreich mit ihren Schnauzen durchpflügten, werden heute Suchhunde eingesetzt. Sie lassen sich besser händeln.

Denn der Nusspilz liebt es, mit seinem Wurzelgeflecht und den Wurzeln von Eiche, Buche, Haselnuss und Linde unterirdisch in Symbiose zu leben. Vorausgesetzt, es handelt sich um angenehm feuchte, gut durchlüftete, alkalische und warme Böden. Dann wachsen auch die Trüffel, die Früchte des Pilzes, ganz vortrefflich. „Was bei uns in der ,Gütersloher Schweiz’ mit ihren Sandböden leider nicht der Fall ist“, bedauert Annett Rassfeld.

 Aber sie hat schon mehrere klassische deutsche Trüffelgebiete kennengelernt. Die Gegend um Kassel gehört ebenso dazu wie das Leinenbergland zwischen Hameln und Hildesheim, weiß sie von ihren Seminaren. Auch im Teutoburger Wald gibt’s Trüffel. Nur holt sie keiner aus dem Boden. „Zum einen, weil viele gar nichts von diesem Schatz wissen“, sagt Rassfeld, „zum anderen, weil es auch nicht erlaubt ist.“

Gegraben werden darf nur mit Sondergenehmigung

Trüffel stehen nämlich seit den 30er-Jahren unter Naturschutz. Nicht weil sie so selten sind, wie Kritiker sagen, sondern weil der Pilz bei den Nazis als dekadent und unerwünscht galt, lagen doch Trüffelernte und -handel oftmals in jüdischen Händen. Das NS-Ausgrabungs-Verbot wurde später in die Naturschutzrichtlinien übernommen und hat bis heute Bestand. Womit die Bundesrepublik einzigartig in Europa dasteht. Überall sonst darf gesucht und auch ausgegraben werden. Und genau dafür sind viele in Italien, Frankreich und der Schweiz auf den Hund gekommen, den Lagotto-Romangnolo mit seinem ausgeprägten Spürsinn.

Freiwachsende Trüffel stehen in Deutschland seit den 30er-Jahren unter Naturschutz, weil sie als sehr selten und daher als bedroht gelten. Sie dürfen nur mit Sondergenehmigung und dann auch nur für Forschungszwecke oder den Privatgebrauch ausgegraben werden. Die Forschungs- und Arbeitsgruppe „Hypogäen“, zu der auch Lagotto-Romangnolo-Züchter gehören, ist dabei, die angebliche Trüffel-Rarität in der Bundesrepublik zu widerlegen. Sprecherin Ute Ruoff erklärte auf Anfrage der „Glocke“: „Trüffel sind in Deutschland so selten wie Maulwürfe.“ Man kartographiere derzeit alle bekannten Trüffelgebiete, um zu zeigen, wie üppig der Edelpilz überall auf kalkhaltigen Böden sprieße. Damit soll eine Aufhebung des Such- und Ernte-Verbots erreicht werden. „Was wir aber nicht wollen“, so Ruoff, „ist eine Goldgräberstimmung. Denn wer einfach drauflos buddelt, zerstört das empfindliche Wurzelgeflecht des Pilzes – was durch Wildschweine oft genug der Fall ist – und dem Trüffelwuchs damit an dem Platz ein Ende bereitet.

Auch Annett Rassfeld hat ihre mittlerweile Ambra gut trainiert. Anfangs steckte sie mit Trüffelöl getränkte Läppchen in die Plastikverpackungen von Überraschungseiern und versteckte sie. „Aber der Hund hat schnell spitz bekommen, dass am Ende meiner Spur automatisch etwas zu finden war.“ Also schnitt die Hundehalterin gekaufte Trüffel klein und warf sie weit von sich in den Wald oder vergrub sie dort. Was für Ambra und ihre feine Nase trotzdem nie ein Problem darstellte.

Das hat Annett Rassfeld ermutigt, im Herbst im schweizerischen Gansing mit Ambra an einer sogenannten „Raduno“, einer Trüffelsucheignungsprüfung für diese Spezialhunde,  teilzunehmen. Auf einem 25 Quadratmeter großen Terrain wurden drei winzige Trüffel an zum Teil schwierigen Stellen vergraben. Die international besetzte Jury begutachtete die Zusammenarbeit von Frauchen und Hund und bewertete das Gütersloher Paar mit einem „Sehr gut“. Das war für Annett Rassfeld der entscheidende Anstoß, in die Zucht einzusteigen. Um anerkannt zu werden, wurden Tier und die züchterischen Gegebenheiten am Pavenstädter Weg genauestens überprüft.

 Im Januar hat Ambra sechs Welpen geworfen, zwei Rüden und vier Hündinnen. Der Vater ist ein Lagotto aus der Schweiz, „denn der reinrassige Genpool in Deutschland ist noch nicht so groß“, erklärt Rassfeld ihre Wahl. Bis auf die verspielte Amelie sind die jungen Hunde schon alle verkauft. Aber der kleine braun-graue Wuschelkopf blieb auf dem Hof. Zusammen mit seiner Mutter tollt er nun durch Wald und Flur, immer mit der Nase am Boden. Es könnte ja ein Trüffel darunter lauern.

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