Amprion lässt sich mit Entscheidung Zeit
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Von Gütersloh nach Osnabrück-Lüstringen will Amprion auf der Trasse der bestehenden 220-Kilovolt-Leitung eine neue 380-Kilovolt-Leitung bauen. Geplant waren dafür etwa 67 Millionen Euro. Das Bild zeigt eine solche Höchstspannungsleitung in Thüringen.
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Im vorigen Dezember hatte der Bundestag beschlossen, die Strecke zwischen Wehrendorf und Gütersloh als Pilotprojekt für eine Erdverkabelung in die Liste zum Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) aufzunehmen. Seither hat sich Amprion nicht geäußert. Wie schwer es ist, in der Sache klare Auskünfte zu bekommen, zeigen die Antworten des Unternehmenssprechers Arndt Feldmann auf eine Anfrage dieser Zeitung:

„Die Glocke“: Was ist seit der Aufnahme der Maßnahme 16 als Pilotprojekt im Energieleitungsausbaugesetz geschehen?

Feldmann:  Wir analysieren alle Fragenstellungen der verschiedenen Fakultäten rund um das Thema Teilverkabelung und Öffnung des Projektes. Es wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und durchgeführt.

„Die Glocke“: Wie stehen die Chancen einer Erdverkabelung bei Gütersloh?

Feldmann: Die Chancen einer Erdverkabelung liegen an der Öffnung durch Amprion. Die Entscheidung, ob das Projekt geöffnet wird, ist noch nicht abschließend getroffen. Grund dafür ist vor allem, dass eine Entscheidung, egal in welche Richtung sie fällt, sehr gut und plausibel begründet sein muss.

„Die Glocke“: Wird es ein neues Planverfahren geben? Wurde es beantragt? Feldmann: Dies hängt von der Entscheidung ab, ob das Verfahren für Erdkabelteilverkabelung geöffnet wird, bisher ruht das Verfahren.

„Die Glocke“: Welche Abschnitte kommen in Frage? 

Feldmann: Dies muss anhand der möglichen Kriterien bewertet werden, die sich aus dem Gesetz ergeben.

„Die Glocke“:  Wie geht es weiter, was ist wann der nächste Schritt?

Feldmann: Der nächste Schritt ist die Entscheidung über das weitere Vorgehen Amprions und die Information an die Öffentlichkeit. Eine Entscheidung dazu soll noch dieses Jahr stattfinden, wenn alle Aspekte hinreichend geprüft sind.

„Die Glocke“:  Wann ist frühestens mit einem Leitungsbau im Kreis Gütersloh zu rechnen?

Feldmann: Dies entscheidet sich aufgrund der Entscheidung zur Erdverkabelung.

Hintergrund

Soweit die Anfrage. Klar ist, dass aus Kosten-, Naturschutz- und technischen Gründen keinesfalls die gesamte Leitung unter die Erde gelegt wird, sondern dies nur infrage kommt, wo Anwohner unmittelbar betroffen sind.

Die Bezirksregierung und die Anwohner warten auf eine Entscheidung von Amprion. Das Planfeststellungsverfahren ruht. Im Herbst 2015 wurde ein Erörterungstermin zu den Einwendungen ausgesetzt.

Unterdessen haben sich im Mai Vertreter des Arbeitskreises Biss als Befürworter und Landwirte als Gegner einer Erdverkabelung getroffen. Laut Henrich Schröder gab es eine Annäherung. Man sei übereingekommen, dass eine Erdverkabelung, wenn sie denn wegen der Abstandsregelung als notwendig betrachtet werde, äußerst sorgfältig eingebracht werden müsse. Die Beteiligten sollen einbezogen werden, um Flurschäden so gering wo möglich zu halten. Fräß- und Bohrtechniken sollten Vorrang haben, bevor gewaltige Gräben in die Äcker getrieben würden wie beim Beispiel Raesfeld im Münsterland.

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