Andrea Sawatzki verschafft Frauenschicksalen Gehör
Bild: Hein
„Sie hat das Wort“: So heißt ein Projekt des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe, das Texten internationaler Autorinnen mit weiblichen Hauptfiguren eine Bühne verschafft. In der Gütersloher Weberei transportierten die Schauspielerin Andrea Sawatzki, Hörbuchsprecher Tom Jacobs und Cellistin Elisabeth Coudoux fesselnde Inhalte.
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Andrea Sawatzki, Schauspielerin und Autorin, überstrahlt als Vorleserin ihren Bühnenkollegen, den Leseprofi Tom Jacobs, und die Cellistin Elisabeth Coudoux, mit Natürlichkeit und bescheidener Zurückhaltung. Das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe hat ein bemerkenswertes Projekt unter der Überschrift „Sie hat das Wort“ angekündigt: Frauen aus unterschiedlichen Kulturen und verschiedenen Zeitabschnitten kommen zu Wort – in Texten von Helene Hegemann, einem Star unter den jungen deutschen Autorinnen („The day I fucked her husband at the lake“), der kanadischen Nobelpreisträgerin Alice Munro („Jungen und Mädchen“) sowie der Nigerianerin Chimamanda Ngozi Adichie („Jumping Monkey Hill“).

Elisabeth Coudoux unterbricht mit Improvisationen auf dem Cello, den Dialog zwischen Wort und Ton, zwischen Poesie und Klang suchend. Das ist blechern, auch mal schrill. Es wogt. Das Instrument leidet unter ihrem Schlagen und Reißen. So wie auch die Worte aus den Geschichten strömen und vom Leiden, auch neuen Wegen der Protagonisten erzählen.

Helene Hegemann führt mit ihrer Kurzgeschichte in die Langsamkeit einer Hippie-Kommune, zu ergebnislosen Gesprächen über Latte-Macchiato-Feminismus. Nachdenkend über Unterschiede zu den Männern. Bis die Protagonistin mit Jacobys Mann zum See hinausfährt. Andrea Sawatzkis Stimme fängt die Langeweile der Tage ein, die an einer Bucht verstreichen, ohne Strom, aber mit Meerblick.

Tom Jacobs, der sonst seine Stimme den Figuren in den „Perry Rhodan“-Hörbüchern gibt, übernimmt den Text von Alice Munro, der auf eine Silberfuchsfarm bei Toronto führt. Dort wächst die Ich-Erzählerin unter Belehrungen wie „Das geht Mädchen nichts an“ heran, bis sie sich nach ihren eigenen Maßstäben verhält.

Gemeinsam führen Jacobs und Sawatzki am Ende in die Zeit des Diktators Mugabe in Simbabwe. Die sozialkritische Kurzgeschichte „Jumping Monkey Hill“ stellt die subtile Ausbeutung der Frau in den Mittelpunkt. Mit verteilten Rolle zitieren sie ein Manifest für die Erziehung frei von überholten Rollenbildern und Vorurteilen.

„Ungleichstellung ist immer noch das Thema“, so Programmleiterin Sarah Bloch zum Hintergrund des Abends. Inzwischen sei „Neinsagen“ weltweit auf dem Vormarsch, und die Formulierung neuer Rollenbilder finde unter Lesenden und Schreibenden ein zunehmendes Echo. Bleibt zu wünschen, dass die Detmolder Literaturprofis bald wieder den Weg an die Dalke suchen.

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