Anlieger beklagen Umsatzeinbußen
Bild: Frielinghaus
„Nächstes Jahr wird eine Katastrophe“: Martin Thiesbrummel sorgt sich wegen der Umsatzeinbußen infolge der Baustelle vor seinem Geschäft an der Verler Straße.
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Dann soll die Straße wieder komplett freigegeben werden.

Der Spruch „Das verflixte siebte Jahr“ passt bei Esmin Gruda genau. Der 47-Jährige betreibt die Esso-Tankstelle an der Verler Straße nämlich seit sieben Jahren. Weil seit knapp vier Monaten wegen der Straßensanierung weniger Kundschaft den Weg zu ihm findet, hat er Konsequenzen gezogen. Seit geraumer Zeit kann nicht mehr rund um die Uhr getankt werden, sondern nur noch tagsüber von 5.30 bis 23.30 Uhr. Nachts bleibt die Tankstelle geschlossen. Momentan habe er Umsatzeinbußen von rund 40 Prozent, sagt Gruda. Geld, das am Ende des Tages fehle.

Um die Betriebskosten weiter zu senken, hat der Tankstellenbetreiber außerdem die Stärke seines Teams reduziert. Statt 15 Angestellten beschäftigt er nur noch 12. Drei Mitarbeiter musste er entlassen. Leute, die ihm, wenn in einem Jahr wieder der gewohnte Betrieb beginnt, fehlen. „Es ist schwer, jemanden zu finden, der in einer Tankstelle arbeiten möchte“, sagt Gruda mit Blick in die Zukunft. Der 47-Jährige hofft, dass sich seine Situation bald etwas verbessert. Zwar bleibt die Verler Straße eine Einbahnstraße, die nur in Richtung Gütersloh-Zentrum befahrbar ist. Aber der Verkehr wird auf die andere Fahrbahn verlegt, so dass er direkt auf der Seite rollt, an der die Esso-Tankstelle liegt.

Darauf setzt auch Martin Thiesbrummel. Sein Lebensmittelgeschäft nebst Bäckerei liegt auf derselben Seite. Seit die Baustelle eingerichtet wurde, hat sich seine Lage nicht verbessert. Zwar gibt es Zufahrten, die es Kunden ermöglichen, auf seinen Parkplatz zu gelangen. Die seien aber schlecht zu erkennen. Außerdem fehle nach wie vor der Durchgangsverkehr zur Autobahn und ins Industriegebiet Verl.

Thiesbrummel trifft es vielleicht noch schlimmer als andere. Er will seinen Kunden die gesamte Palette an Produkten bieten. Andererseits muss er gerade im Frischebereich darauf achten, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum der Waren passt. Wenn weniger Kunden kommen, wirft er vieles weg. „Ich habe erhebliche Umsatzeinbußen“, sagt Thiesbrummel. Er zeigt sich sicher: „Nächstes Jahr wird eine Katastrophe.“ Momentan seien es die Stammkunden, die das Geschäft aufrecht erhielten. Die Spexarder hielten eben zusammen.

Einbahnstraße bis zum Ende der Bauzeit

Mit der Sanierung der Verler Straße hat am 15. September eine der größten Straßenbaumaßnahmen der vergangenen Jahre in Gütersloh begonnen. Sie wird auf dem Abschnitt zwischen Max-Planck-Straße und Ohmstraße erneuert. Während der Bauzeit ist die Verler Straße eine Einbahnstraße. Bis Ende 2020 ist sie ausschließlich in Fahrtrichtung Gütersloh-Mitte befahrbar. Die Umleitungen Richtung Verl führen über Sürenheide und Varensell. Lastwagen, die von Gütersloh auf die Autobahn wollen, werden zu den Auffahrten in Bielefeld (Hannover) und Rheda-Wiedenbrück (Dortmund) umgeleitet.

Die Verler Straße wird auf dem rund 770 Meter langen Abschnitt sowohl baulich als auch verkehrstechnisch ertüchtigt. Erneuert werden die Fahrbahnflächen, die Regenwasserkanäle und die Kreuzungsampelanlage Verler Straße/Am Hüttenbrink/Bruder-Konrad-Straße. Außerdem werden beidseitige Geh- und Radwege, Querungshilfen, Stellplätze, Grünflächen und Bäume angelegt.

Der Umbau der Verler Straße in Spexard wird teurer als geplant. 250 000 Euro wurden im November nachbewilligt. Der städtische Anteil stieg damit auf 1,85 Millionen Euro, das Land Nordrhein-Westfalen steuert 1,4 Millionen Euro bei.

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