Anlieger sorgen sich um ihr Quartier
Foto: Dinkels
An der Arndtstraße wird gebaut. Die Anlieger wollen sich mit der Veränderung ihres Quartiers nicht abfinden. Auf der anderen Seite des Parks werden Unterschriften gegen eine Bebauung des Jahnplatzes gesammelt.
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Anschließend soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden, „der die weitere Quartierentwicklung im Sinne des Erhalts des traditionell gewachsenen Wohnquartiers sicherstellt“. Das Ganze soll schnell, transparent und mit Beteiligung der Bürger geschehen. Den Antrag überreichten Corinna Flöttmann und Dr. Anke Knopp kürzlich im Namen der Anlieger mit insgesamt 98 Unterschriften im Rathaus an Bürgermeister Norbert Morkes (BfGT). 

Im Bereich um Mohns Park entstünden mehr und mehr Wohnhäuser, deren Bauform stark vom nachbarschaftlichen Bestand abwichen „und dem Quartier ein gänzlich anderes Gesicht verpassen“, heißt es in der Begründung des Antrags. „Die neuen Häuser sind Fremdkörper in einer gewachsenen Architekturkulisse mit vielen Grünflächen.“ Ein großer Teil der Anwohner sehe diese Tendenz kritisch, zumal die Dimensionen der Neubauten von Mal zu Mal stiegen. 

Antrag im Rathaus übergeben: (v. l.) Norbert Morkes, Corinna Flöttmann und Anke Knopp.
Aktueller Aufhänger: Gerade jetzt werde an der Arndtstraße ein Bauvorhaben genehmigt und durchgeführt, das für sieben Parteien vorgesehen sei, inklusive Penthouse sowie zum ersten Mal mit einer Tiefgarage für neun Autos. „Diese Dimension verändert das Straßenbild und stellt nachbarschaftliche Bebauung geradezu in den Schatten“, erklären die Antragsteller. Eine quartiersentfremdende Bebauung mit Würfelbauten und Tiefgaragen sei einzuhegen. Die Stadtverwaltung habe dem Bauvorhaben offenbar „ohne Einwand ob der Größe und des dammbruchartigen Nachahmungscharakters“ zugestimmt. Zudem sei die Nachbarschaft in keiner Weise über das Vorhaben informiert worden. „Selbst die direkten Nachbarn waren nicht einbezogen.“ 

Da für das Quartier kein Bebauungsplan vorliege, hätten Bauherr und Planer „leichtes Spiel, ihr überdimensioniertes Vorhaben umzusetzen“. „Diesen genehmigten Bau können wir nicht mehr stoppen, wir müssen künftig damit leben. Aber es muss darüber diskutiert werden, in welcher Weise das Quartier künftig nachverdichtet werden soll“, heißt es in einer Pressemitteilung zum Bürgerantrag. 

Bürgerversammlung online

Thematisiert wurde die Quartierentwicklung jüngst auch in einer Zoom-Konferenz mit Vertretern des städtischen Bauamts und Anliegern. Das war in der Form bisher in Gütersloh wohl einmalig. Bürgermeister Morkes hatte laut Anlieger-Mitteilung sein Einverständnis zu dieser Form des Austauschs gegeben. 37 Personen nahmen teil, die Veranstaltung dauerte gut 80 Minuten. Im Vordergrund standen die Arndtstraße, die Yorkstraße, die untere Körnerstraße und der Jahnplatz, der auch zum Teil bebaut werden soll. Es ging um weitere Bauwünsche und die Sorge vor vermehrtem Verkehr durch den Zuzug von weiteren Anliegern.

Anlieger äußerten auch die Sorge, der neue Aldi an der Haegestraße könne Autofahrer dazu verleiten, eine Abkürzung durch das Quartier zu wählen. Daraus resultierte die Frage, ob die Arndtstraße eine Fahrradstraße oder sogar abgebunden und geteilt werden könnte. Die Verkehrsproblematik wurde von beiden Seiten gesehen. Ulrich Thiel (Stadtplanung) wies laut Mitteilung der Anlieger darauf hin, ein solches Quartier zu überplanen, sei eine „Mammutaufgabe”. Weil das Verfahren Zeit braucht, soll jetzt erst eine von den Anliegern beantragte Veränderungssperre greifen.

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Antrag im Rathaus übergeben: (v. l.) Norbert Morkes, Corinna Flöttmann und Anke Knopp.