Aramäer hoffen weiter auf Mahnmal
Bild: Steinecke
Der 24. April ist der Gedenktag, an dem auch die Aramäer in Gütersloh bei Schweigemärschen an den Beginn des Genozids im Osmanischen Reich erinnern. An diesem Tag begann die Deportation von Armeniern aus Konstantinopel (Istanbul). In diesem Jahr jährt sich der Tag zum 100. Mal
Bild: Steinecke

 „Wir werden es natürlich akzeptieren, sollte in der Ratssitzung am kommenden Freitag gegen ein Mahnmal gestimmt werden“, erklärt Ischo Can (CDU, Bild), selbst Ratsherr und Befürworter eines öffentlichen Orts des Gedenkens. Gestern Abend gab es noch ein Gespräch der Vertreter der Syrisch-Orthodoxen Kirchengemeinden mit der Politik. Alle Fraktionen seien eingeladen, sagte Can.

Zu Kompromissen bereit

„Der Vorschlag des Ältestenrats, die Aramäer könnten sich an der Gestaltung des Volkstrauertags beteiligen, ist eine gute Sache“, erläutert der 33-Jährige. „Aber wir erbitten uns zudem eine Gedenkstätte“, betont er. Die Gruppe der Unterstützer seien zu Kompromissen bereit. In ihrem Antrag haben die Gemeinden keinen Ort genannt, an dem sie das Mahnmal aufstellen wollen. Der Antrag sei absichtlich so formuliert. So bleibe Raum, um gemeinsam nach einem angemessenen Platz zu suchen, sagt Can. „Es könnte zum Beispiel ein Stein auf dem Ehrenfriedhof sein.“ Can betont, dass es für die Befürworter des Mahnmals nur wichtig sei, die Geschichte der Aramäer in Ehren zu halten. „Es geht uns nicht um Verurteilung, sondern um das Gedenken an die Opfer. Unsere Geschichte wird nicht erzählt. Sie ist nur Thema in unseren Gemeinden. Und in unserer Heimat können wir so eine Gedenkstätte nicht errichten.“

Versammlung vor dem Rathaus

Allein in Gütersloh leben nach Angaben von Can mehr als 10 000 Aramäer. Keiner wolle einen Disput herbeireden. Auch die bei der Stadt angemeldete Versammlung der Aramäer am Freitag (16 Uhr) vor dem Rathaus will Can nicht als Demonstration sehen. „Es soll eine Art Andacht werden.“ Die Mitglieder des Ältestenrats haben keine konkreten Gründe genannt, warum sie den Antrag ablehnen wollen. Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass in Gütersloh Menschen aus 116 Nationen friedlich zusammenleben. Das sei zu fördern und sicherzustellen. Bei der Beratung des Gremiums war auch eine Stellungnahme der türkischen Vereine berücksichtigt worden. Sie hatten darauf hingewiesen, dass ein derartiges Mahnmal Konfliktpotenzial berge. Ischo Can betont noch einmal, dass die Aramäer die Entscheidung des Rats akzeptieren werden. „Mit traurigem Herzen“, sollte der Antrag abgelehnt werden.

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