Arvato plant eine Transfergesellschaft
Bertelsmann-Valley: Das CD- und DVD-Werk liegt im Schatten von Mohn Media. Schräg gegenüber sind die Hauptverwaltung (Corporate Center) und die Bertelsmann Stiftung (vorn) zu sehen.  Bild: Dinkels

Allerdings hat Arvato-Vorstandschef Rolf Buch im Sommer schon eingeräumt, dass die Schrumpfungsraten stärker seien als bisher befürchtet. Trotz der Versuche, neue Geschäftsfelder wie zum Beispiel die Archivierung (Digitalisierung) von Medien in großem Stil auszubauen, bleibt das nicht ohne Folgen für die Arbeitsplätze. Rund 1100 sind es noch.

Im Sommer hatte es geheißen, rund 150 Arbeitsplätze müssten kurzfristig abgebaut werden. Jetzt ist noch die Rede von etwa 50 Mitarbeitern, für die bis Ende 2012 ein Lösung gefunden werden müsse. Altersteilzeit, Aufhebungsverträge und Jobs in anderen Arvato-Sparten sind nach Informationen der „Glocke“ die Wege, die zum Abbau der Stellen bei Entertainment Europe genutzt werden. Da die Mitarbeiter der Produktion nach dem Druck-Tarif bezahlt werden, der höher ist als bei alternativen Arbeitsplätzen der Dienstleistungssparte, geht das nicht ohne Konflikte.

Bei einer Betriebsversammlung am Mittwoch voriger Woche ist erstmals das Modell einer Transfergesellschaft vorgestellt worden. Sie soll dazu dienen, Mitarbeiter in andere Jobs innerhalb der Arvato-Gruppe zu bringen. Auf Anfrage der „Glocke“ sagte Arvato-Sprecher Gernot Wolf, es sei noch nichts entschieden. So ist demnach offen, ab die Transfergesellschaft auf einen Verbleib für ein, zwei oder drei Jahre ausgelegt wird. Sie könnte allerdings auch von Nutzen sein, wenn bei weiter zurückgehendem Volumen weitere Arbeitsplätze in der Produktion wegfallen.

„Es geht uns darum Lösungen zu finden, ohne kündigen zu müssen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Siegfried Wenzel (48) der „Glocke“. Mitarbeiter sollten für Aufgaben in anderen Bertelsmann-Firmen qualifiziert werden. Geplant sei dafür auch deshalb ein Zeitraum von drei Jahren, weil Zeit benötigt werde. Die Gesellschaft müsse außer mit der Geschäftsleitung auch mit dem Konzernbetriebsrat abgestimmt werden.

Er hoffe, im ersten Quartal 2012 zu einem Ergebnis zu kommen, sagte Wenzel. Er verhehlte nicht, dass mit den jetzt betroffenen Arbeitsplätzen der Prozess angesichts der Marktentwicklung nicht zu Ende sei. Und Wenzel räumte ein, dass man in Saisonspitzen nicht ohne Leiharbeiter auskomme. Das sei aber die Ausnahme und wäre sonst auch nicht vermittelbar, so Wenzel.

Als Verdi-Vertreterin hat an der Betriebsversammlung die Gewerkschaftssekretärin Martina Schu teilgenommen. Es soll einen regen Schlagabtausch mit dem Betriebsrat gegeben haben. Eine Transfergesellschaft ergebe nur Sinn, wenn sie auf maximal zwei Jahre angelegt sei, erklärt die Gewerkschafterin auf Anfrage. Ansonsten sei sie zu teuer und es werde danach schwierig, die Beschäftigten weiterzuvermitteln.

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