Assyrer finden neue Heimat in Gütersloh
Bild: Dinkels
Lebt und arbeitet in Gütersloh: Der Bundesvorsitzende des Zentralverbands, Johann Roumee, lenkte den Blick auf die Assyrer in Syrien und im Irak.
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„Die Islamisten verwüsten alles, was mühselig in Jahrhunderten aufgebaut wurde“, sagte der Bundesvorsitzende Johann Roumee. Der selbstständige Werbetechniker lebt und arbeitet in Gütersloh. Die Lage im Irak und wie damit umgegangen werde, mache ihm große Sorgen: „Die Welt schaut zu, aber niemand tut etwas. Helfen Sie den Menschen in Irak und Syrien“, sagte Roumee, wohl wissend, dass unter den Gästen nur einige Landes- und Kommunalpolitiker saßen.

Die Assyrer in Deutschland stammen überwiegend aus dem Südosten der Türkei, aus Syrien und Irak. Warum die Entscheidung für die Bundesgeschäftsstelle auf Gütersloh gefallen ist? „Ganz einfach“, sagte Roumee: „Weil hier viele Assyrer leben.“ Der Verband wolle die Stimme der Assyrer im deutschsprachigen Raum sein und die Vielfalt im Land erhalten. Roumee forderte den Abbau bürokratischer Hürden für Migranten und Zugang zu Fördertöpfen für Migrantenselbstorganisationen. A

n der Ernst-Buschmann-Straße 32 nutzt der Verband drei Etagen für Büros, Seminarräume und ein Archiv. Es soll nach und nach aufgebaut werden und die Geschichte der Assyrer in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren dokumentieren. „Wir sind keine Sammelstelle für Flüchtlingsarbeit“, sagte der zweite Vorsitzende Grigo Simsek der „Glocke“. Für den Aufbau der Geschäftsstätte hat der Verband Strukturfördermittel des Bundesamts für Integration und Flüchtlinge erhalten.

Grüße überbrachte Erzbischof Timotheus Mar Shallita für die Alte Kirche des Ostens (Mainz). Er betete mit den Gästen das Vaterunser auf Aramäisch, der Sprache Jesu.

„Sie haben eine wegweisende Entscheidung getroffen, ihre Bundesgeschäftsstelle in Gütersloh und damit in Nordrhein-Westfalen einzurichten“, sagte Thorsten Klute (SPD), Staatssekretär aus Düsseldorf. Integration sei heute nicht mehr der richtige Begriff für die vielen jungen Menschen, die in Deutschland geboren werden und aufwachsen. Es gehe vielmehr um eine „gerechte Teilhabe“.

Hintergrund

Seit 1965 kamen die ersten Assyrer aus dem Südosten der Türkei als Gastarbeiter in die Bundesrepublik. Später waren es vor allem christliche Flüchtlinge, die in Deutschland eine neue Heimat fanden. Außer aus der Türkei stammen sie aus Syrien und dem Irak. Allein in den letzten 15 Jahren soll sich ihre Zahl verdoppelt haben auf heute etwa 150 000. Nach Schätzungen des Zentralverbands leben davon etwa 30 000 in Ostwestfalen, davon etwa 10 000 im Kreis Gütersloh, davon 5000 in der Kreisstadt. Die Dunkelziffer ist nicht bekannt.

In den 1970er-Jahren wurden assyrische Kultur- und Sozialvereine in mehreren Bundesländern gegründet. Der Zentralverband der assyrischen Vereinigungen in Deutschland und europäischen Sektionen (ZAVD) wurde 1979 in Wiesbaden von Gastarbeitern sowie assyrischen Studenten und Akademikern aus Syrien gegründet. Ziele: die Assyrer und ihre Familien zu unterstützen, die Integration zu fördern und das kulturelle Erbe zu bewahren. Von Wiesbaden zog die Geschäftsstelle nach Augsburg und Ende der 80er-Jahre nach Berlin. Seit 2000 gab es keinen festen Ort. 2002 wurde der Assyrische Jugendverband Mitteleuropa (AJM) für Deutschland, Österreich und die Schweiz gegründet. Er hatte seinen Sitz schon in Gütersloh.

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