Aus Gütersloh zum Londoner Opern-Olymp
Daphne Strothmann freut sich auf die Arbeit als Choreographin am Londoner Royal Opera House.

Sie wird am renommierten Royal Opera House in der Wiederaufnahme von David McVicars hochgelobter „Faust“-Inszenierung mit Joseph Calleja in der Titelrolle und Anna Netrebko als Marguerite die Choreographie übernehmen. Von Gütersloh geht es direkt in den Opernhimmel.

Daphne Strothmann ist Kosmopolitin

Daphne Strothmann ist eine Kosmopolitin: so aufgeschlossen wie diszipliniert. Ihrem Gegenüber begegnet sie gleichermaßen mit Wachsamkeit und Empathie. Ihr Werdegang liegt weit jenseits westfälischer Bodenständigkeit und Denkweise – was sie nicht hochtrabend, sondern vielmehr mit einer einnehmenden Mischung aus Bescheidenheit und Selbstbewusstsein preisgibt.

Geboren ist sie vor 43 Jahren im tansanischen Dar-es-Salaam als Tochter eines dort für Bosch arbeitenden Güterslohers und einer griechischstämmigen, von Ägypten nach Schwarzafrika ausgewanderten Mutter. Sie wächst in Uganda, Tansania und Kenia auf. Mit 16 Jahren weiß sie, was sie will: tanzen. Der Mutter ist das suspekt. Der Vater bestärkt sie, ihren Traum zu verwirklichen.

Tänzerin und Yoga-Lehrerin

Daphne lässt sich in London zur Tänzerin und Tanzlehrerin ausbilden, klassisch in der Technik, offen für Neues. 1989 geht sie nach New York, um die amerikanische Tanzavantgarde zu studieren. Sie sucht nach den spirituellen Wurzeln jener Inspiration, die für einen Tänzer unabdingbar sind – um die Ideen der Choreographen umsetzen zu können und vor allem, um das Wesentliche in sich selbst zu entdecken. Fündig wird sie aber nicht im Tanz, sondern im Yoga. Sie lässt sich in Los Angeles zur Bikram-, in Indien und Sydney zur Shadow-Yoga-Lehrerin ausbilden.

Das alles läuft nebenher, während sie – nach Stationen in Koblenz und Heidelberg – erst beim Wiener Tanztheater und dann an der Volksoper Engagements hat. 15 wunderbare Jahre, „in denen ich regelrecht verliebt war in die Stadt“, gesteht Daphne.

„Gearbeitet wie ein Hund“

Sie tanzt viel, wird von Kritik und Publikum gelobt – was bei der österreichischen Schmähkritelei keine Selbstverständlichkeit ist, wagt Extravagantes im „Schwanensee Remix“ oder einer Neuadaption von „Caravaggio“. „Ich habe gearbeitet wie ein Hund“, erinnert sie sich.

2003 wird sie Mitglied (und Yoga-Lehrerin) von Michael Keegan Dolans „Fabulous Beast Dance Theatre“ in Irland. Sie feiert Triumphe als „Giselle“, in der irischen Saga „The Bull“ und vor allem in und mit der Produktion „The Rite of Spring“. Als der vielgepriesene Ballettchef ans Londoner Royal Opera House gerufen wird, um 2005 erstmals David McVicars „Faust“ zu choreographieren, ist sie als seine Assistentin dabei. Nicht von ungefähr hat man Daphne nun bei der Wiederaufnahme der Gounod-Oper zur Choreographin gemacht.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Seite „Kultur lokal“ in der „Glocke“ vom 1. März im Kreis Gütersloh.

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