Aus der Vorratskammer der Phantasie
Bild: Pieper
Letzte Vorbereitungen zur Vernissage: Johanna Simon (links)  und Coletta Siedenhans zeigen in ihrer Gütersloher Galerie ab 25. August Werke von Woldemar Winkler.
Bild: Pieper

 Es kann – wie die jüngste Ausstellung in der Gütersloher Galerie Siedenhans und Simon, Kökerstraße 13, beweist. Ab dem morgigen Samstag wird dort reichlich „Aus der Vorratskammer der Phantasie“ geschöpft.

Der Titel ist Programm. Coletta Siedenhans und Johanna Simon haben sich ausgiebig im Nachlass des 2004 im Alter von 102 Jahren gestorbenen Winklers umsehen dürfen und eine spannungsreiche Auswahl an Grafiken, Zeichnungen und Malerei aus verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers getroffen. Da sind witzige, skizzenhafte Miniaturen ebenso vertreten wie intensiv ausgearbeitete Werke. Darunter sind auch Arbeiten, die noch gar nicht in der Öffentlichkeit oder nur auf Ausstellungen in Frankreich zu sehen gewesen sind. Die Zusammenstellung zeugt von Respekt vor Winklers beeindruckendem Lebenswerk und seinem Selbstbewusstsein, stets Kunst aus einer inneren Freiheit heraus zu schaffen, statt den Trends des Kunstmarkts zu folgen.

 Eher dunkel gehaltene, kleine Aquarelle vom Ende der 40er-Jahre verraten, wie der Künstler, noch von Krieg und Gefangenschaft geprägt, den Alltag zu bewältigen sucht. Studien spielender Kinder finden sich da ebenso wie der „Kampf

Die Ausstellung „Aus der Vorratskammer der Phantasie“ mit Werken von Woldemar Winkler wird am Samstag, 25. August, um 15 Uhr eröffnet. Die Einführung gibt Dr. Silvana Kreyer. Zu sehen sind die Arbeiten bis zum 21. September in der Gütersloher Galerie Siedenhans und Simon, Kökerstraße 13.
mit dem Engel“. Ein Grimasse schneidender Clown, den der Maler 1948 auf einer geflügelten Schlange positioniert, gebietet Distanz. In ihrer Unverschlüsseltheit geradezu seltsam für einen Woldemar Winkler wirken einige Vogelzeichnungen sowie ein kolorierter Linolschnitt aus den 50er-Jahren. In Stil und Farbgebung erinnern diese Werke an Max Ernst. Winkler kannte den großen Surrealisten über die Galerie Chave im französischen Vence, die lange Zeit beide Künstler vertrat.

Natürlich dürfen in solch einer Hommage die phantastischen, von formaler und linearer Vielfalt geprägten Grafiken der 80er- und 90er-Jahre nicht fehlen. Die zarte, nahezu transparente, mit Farbstift und Kugelschreiber geschaffene „Verblasste Erinnerung an Emma“ gehört ebenso dazu wie „Das Geheimnis der schwebenden Jungfrau“. Und mit Arbeiten wie „Teppiche fangen die Muster wie Heilige ihre Seelen“ gibt sich Winkler einmal mehr als Philosoph. Einer der ironischen Art, versteht sich.

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