Ausstellung: Landschaften im Dialog
Bild: Pieper
Melanie Kolkmann hat die Ausstellung "Landschaften im Dialog" für die Gütersloher Galerie Siedenhans und Simon kuratiert.
Bild: Pieper

 Hier ein wohlgefälliges Panorama, das die Sehnsucht des Städters nach unberührter Natur widerspiegelt, dort ein Symbolbild menschlicher Empfindungen, in dem sich in düsteren Wolken Tristesse ballt oder lichtumflutete Inseln Jenseitsfantasien preisgeben. Landschaftsmalerei ist vieles: historisch, manieriert, romantisch, impressionistisch, expressiv und auch ganz modern. Denn wie bei allen oft Totgesagten gilt: Sie leben länger.

Grund genug für die Gütersloher Galerie Siedenhans und Simon, sich des Themas anzunehmen. Am Samstag, 14. Mai, wird in ihren Räumen an der Kökerstraße 13 um 15 Uhr die Ausstellung „Landschaften im Dialog“ (bis 9. Juli) eröffnet. Kuratiert hat sie die 27-jährige Kunsthistorikerin Melanie Kolkmann aus Rietberg, und sich dabei sowohl auf den Künstlerbestand der Galerie als auch auf wichtige Werke aus Privatbesitz gestützt. Rund 50 Arbeiten laden zu einem interessanten Spaziergang durch Wald und Flur, über Strand und Seeufer ein. So ähnlich viele Motive sich sind, so unterschiedlich ist ihre Darstellungsweise.

Der Bogen ist weit gespannt. Da gibt es die naturalistisch-melancholische Idylle, mit der Paul Westerfrölke einst seinen „Tümpel“ malte, neben den abstrahierten, stringent konstruierten Strandhäusern des Gütersloher Malers Siegfried Kortemeier (1906–1983). Es reihen sich die großformatigen Arbeiten des Bielefelders Gunther Grabe, der mit ironischem Augenzwinkern leicht verzerrte Landschaften zeigt, wie man sie als Vorbeifahrender sieht, an feine, kleine Radierungen. Zart skizziertes Detail trifft satt auftrumpfende Farbigkeit. Der ebenfalls in Bielefeld ansässige Achim Beier geht sogar noch weiter. Sein Reh im Wald folgt einer trügerischen Spur, denn längst haben die Bäume ihre Bodenhaftung verloren, stehen seltsam unwirklich im Gelände, während die Schneelandschaft nebenan gleich zur undurchdringlichen Wand gerät. Bilder als Metaphern menschlicher Befindlichkeiten. Wer glaubt, die Landschaftsmalerei sei an tumber Trivialisierung eingegangen, den belehrt diese Ausstellung zweifellos eines Besseren.

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