Autokorso gegen zu wenig Pflegezeit
Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste fordern mehr Zeit für ihre Arbeit.

Am Treffpunkt geht es rund: Nach einer knapp zwei Kilometer langen Strecke durch Gütersloh Stadt trifft der Autokorso an der AOK-Regionaldirektion an der Barkeystraße ein. Nicht ohne Grund haben die sieben Wohlfahrtsverbände dieses Ziel im Zug der landesweiten Aktion „Hilfe! Mehr Zeit für Pflege!“ („Die Glocke“ berichtete) angesteuert. „Die AOK Gütersloh ist für den Kreis Gütersloh verhandlungsführend“, erläutert Matthias Timmermann, Vorstand des Caritasverbands Gütersloh. „Wir können nicht alle nach Düsseldorf fahren“, so Timmermann.

Verhandlungen auf Landesebene

Denn dort werden auf Landesebene die Verhandlungen über die Vergütungen der häuslichen Krankenpflege mit den Krankenkassen geführt. Regionaldirektor Frank-Olaf Kassau nahm ein symbolisches „Zeitschwein“ von Ingo Hansen, Geschäftsführer der Diakonie in Halle entgegen. Der AOK-Direktor versprach, dieses mit den entsprechenden Anliegen an die richtige Stelle weiterzugeben. Das heißt, den nachdrücklichen Wunsch nach einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter und auch für die zu Pflegenden, betonte Hansen. „Es ist ein schöner Beruf“, so der Geschäftsführer, den er gleichwohl durch Zeitdruck und ein starres finanzielles Korsett bedroht sieht.

Keine Zeit für ein Gespräch

Wie sich das in der täglichen Arbeit offenbart, erzählten Korso-Teilnehmerinnen am Ausgangspunkt Marktplatz. „Natürlich reagieren wir, wenn wir einen Fall von Vernachlässigung im Haushalt feststellen, beispielsweise einen leeren Kühlschrank, und geben diese Information weiter“, so eine 56-Jährige. Wenn man aber nur den Auftrag habe, beispielsweise eine Tablette zu verabreichen, bleibe keine Zeit für ein näheres Gespräch geschweige denn für Abhilfe. „Agieren können wir nicht wirklich“, zeigte sich die Mitarbeiterin unzufrieden.

Hupend durch die Innenstadt

Dem Anliegen, auch für die 1250 Mitarbeiter der Wohlfahrtspflege in der ambulanten Pflege im Kreis bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, haben die Verbände durch einen Autokorso Ausdruck verliehen. Weit mehr als die anvisierten 220 Fahrzeuge nahmen teil. „Es waren rund 300“, so Einsatzleiter Andreas Koptik. Hupend und mit Fahnen bestückt waren sie unterwegs. Sie haben zwar für Störungen im Verkehrsfluss gesorgt, doch die waren vorhersehbar, so Koptik. „Die Passanten waren interessiert“, hofft Matthias Timmermann jetzt auch auf positive Resonanz in Düsseldorf.

Wie der Alltag im ambulanten Pflegedienst aussieht und warum die Krankenkassen verärgert sind über die Protestaktion lesen Sie in der Mittwochsausgabe der „Glocke“.

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