Baggerfahren lernen im Simulator
Bild: Dinkels
Wie auf einer richtigen Baustelle: Der Auszubildende Eric Plath trainiert im Vollkabinensimulator der Firma Hagedorn, der in dieser umfangreichen Ausstattung nach Unternehmensangaben in Deutschland einzigartig ist.
Bild: Dinkels

Jetzt ist der junge Mann aus Schloß Holte-Stukenbrock seinem Traumberuf ganz nah. Bei der Firmengruppe Hagedorn absolviert Plath im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung zum Bauwerksmechaniker für Abbruch- und Betontrenntechnik. Damit lernt der Schloß Holte-Stukenbrocker nicht nur bei einem stark wachsenden Unternehmen, sondern auch dem einzigen zumindest in Deutschland, das über einen Vollkabinensimulator für Bagger verfügt. Aber dazu später.

Nach dem Schulbesuch in Bielefeld und dem Erwerb der Fachoberschulreife absolvierte Plath auch ein Praktikum, bei dem er auf einer Baustelle schon auf einem Bagger gesessen hat. Als er bei der Berufswahl über Hagedorn stolperte, zögerte er nicht.

Trotzdem: „Es ist schwierig, Auszubildende für den gewerblichen Bereich zu bekommen“, sagt Juniorpersonalreferentin und Ausbildungsbeauftragte Luisa Paehler (23). Vor allem mangele es an Frauen. Dabei treffe das Vorurteil von der schweren und dreckigen Arbeit nicht mehr zu. „Wir setzen High-Tech ein. Die Maschinen sind gut ausgestattet.“

„Klimaanlage, ergonomische Sitze, Sitzheizung“, zählt Eric Plath auf. Und er hat beobachtet: „Frauen haben ein ganz anderes Feingefühl. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden.“

Am Bildschirm können Ausbilder Jens Flötotto und die Ausbildungsbeauftragte Luisa Paehler verfolgen, was der Fahrer in der Kabine macht. Sämtliche Daten werden aufgezeichnet und können ausgewertet werden, von der Leistung bis zum Treibstoffverbrauch.
Seine Ausbildung absolviert der 20-Jährige bei seinem Arbeitgeber sowie im Ausbildungszentrum (ABZ) in Essen – nur dort werden Baggerfahrer ausgebildet – und in der Berufsschule in Gelsenkirchen, wo es etwa um Bau- und Motorentechnik geht. Die Übernachtungskosten bei vierwöchigen Schulungsblocks übernimmt Hagedorn.

Die Ausbildung umfasst auch das Management von Baustellen, das Führen von Geräten und Fahrzeugen, den Aufbau und die Wartung von Motoren und Maschinen und – ganz wichtig – Baustatik. Eric Plath: „Sobald ein Baggerfahrer einen Teil eines Gebäudes entfernt hat, gilt es als einsturzgefährdet.“

Im ersten Jahr überwiegt noch die Theorie, später nimmt die Praxis zu, und am Ende des dritten Lehrjahrs folgt die praktische Prüfung auf dem Bagger, mit dem eine genau definierte Grube ausgehoben werden muss.

Trainieren kann Plath dafür auch im Vollkabinensimulator, den Hagedorn in zwei Jahren gemeinsam mit der schwedischen Firma Oryx Simulations entwickelt hat. Jetzt steht das wuchtige Gerät im Rondell der Hagedorn-Akademie an der Werner-von-Siemens-Straße.

Man kann nichts kaputtmachen

„Er fährt sich sehr gut. Es ist, als würde man auf einem echten Bagger sitzen“, sagt Eric Plath. Das Gute daran: Man kann auch mit dem Simulator umkippen oder anecken, aber nichts kaputtmachen. Der Fahrer sitzt in einer voll ausgestatteten Kabine des Herstellers Caterpillar/Zeppelin. LED-Monitore ersetzen die Scheiben und bilden die Baustelle ab.

„Das Modernste, was es zurzeit auf dem Markt gibt“, sagt Projektbetreuer Jens Flötotto (43). Auf einem Bildschirm verfolgt er, was in der beweglichen Kabine geschieht. Der Simulator wird zu Ausbildungszwecken eingesetzt und auch, um Bewerber zu testen. „Ich kann herausfiltern, ob jemand schon mal auf einem Bagger gesessen hat“, so Flötotto.

Hagedorn brauche ständig neue Mitarbeiter, und nach einem Bericht der Bildzeitung vor einigen Wochen seien inzwischen mehr als 270 Bewerbungen für alle Berufe eingegangen, darunter sogar eine aus Indien, so Luisa Paehler.

Hagedorn bildet im gewerblichen Bereich auch Baugeräteführer aus. Bauwerksmechaniker kann man zudem im dualen Studium lernen, das mit dem Ingenieur abschließt. Im technischen Bereich bildet das Unternehmen Land- und Baumaschinenmechatroniker aus. Hinzu kommt die kaufmännische Ausbildung.

SOCIAL BOOKMARKS