Ballon-Designerin will den WM-Titel
Bild: Dünhölter
Geht bei der Weltmeisterschaft im April in New Orleans/USA für Deutschland an den Start: die Gütersloherin Christiane Heitmann mit zwei von ihr geschaffenen Figuren.
Bild: Dünhölter

Nicht nur das. Eine aus 32.000 Luftballons zusammengesetzte Kuckucksuhr samt zwei Meter großen Figuren und funktionierendem Uhrwerk soll der über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Inhaberin des Dekorationsgeschäfts „Balloonia“ am Schürmannsweg einen Weltmeisterschafts-Titel bringen.

Gemeinsam mit vier Mitstreitern aus Bremen, Karlsruhe, Stuttgart und Quickborn gehört die Gütersloherin zum „Team Germany“, das sein Land Anfang April im Hilton-Hotel in New Orleans bei der nur alle vier Jahre ausgetragenen Weltmeisterschaft im Ballon-Design vertritt. Die Gruppe hat mit drei freiwilligen Helfern vom Startschuss am 5. April um 9 Uhr bis zum 6. April, 12 Uhr, genau 27 Stunden Zeit, ihre luftige Skulptur mit dem Titel „Time flies“ (Die Zeit fließt) zu vollenden. Christiane Heitmann und ihr Team haben sich darauf eingestellt, „dass wir 27 Stunden am Stück durcharbeiten. Das ist zwar eine Herkulesaufgabe und hart an der Grenze der Belastbarkeit. Danach werden wir alle fertig sein. Aber wer mit dem Wettkampfbazillus infiziert ist, ist eben infiziert.“

Während die vier Mitbastler ihr WM-Debüt geben, konnte Kiki Heitmann, wie sie im Freundeskreis genannt wird, bereits 2001 in den Vergleich mit Teams aus Australien, Europa, Asien, Amerika und Afrika treten. In der Disziplin „Tischdesign“ holte die mehrfache Europameisterin in Chicago die Bronzemedaille. Bei ihrem zweiten Auftritt wagen sich die mit reichlich Kreativität, Erfindungsgeist und Vorstellungskraft ausgestattete Gütersloherin und ihre Mitstreiter nun in die Königsklasse der fantastischen, außergewöhnlichen und meisterhaften Ballonarrangements. Zum ersten Mal in der Geschichte der WM startet ein deutsches Team in der Kategorie „Großskulpturen“.

Der Startschuss für das pro Teammitglied rund 4000 Euro teure Unternehmen (Flug, Hotelkosten, Startgebühr) fiel vor gut einem Jahr per Zufall. Im Rahmen einer Messe saßen alle fünf gemeinsam am Tisch und überlegten sich: Was können wir typisch Deutsches machen. Die Wahl fiel auf eine aus 10.000 Ballons bestehende Blumenwiese, mit einer in einem Baum hängenden Kuckucksuhr. Auf dem Dach der Uhr jagt ein Schwarzwald-Mädchen mit einem Käscher den Kuckuck.

Unten versucht ein an einem Zapfen hängender Junge, den Vogel aus der Uhr zu locken. Es versteht sich von selbst, dass – außer dem tragenden Gestell und festen Unterplatten – alle Details wie die fünf mal fünf Meter große Rasenfläche samt Grasbüschel, Blüten, Hasen, Mohrrüben bis zu den Schieferplatten des Dachs aus Ballons bestehen.

Und dann platzen sie

Christiane Heitmann: „Das ist jede Menge Arbeit für Effekte, die man nicht sieht“. Damit sie nicht vor Ende der zweitägigen Ausstellungsdauer oxidieren, werden alle Ballons nach dem Befüllen mit Luft per Handpumpen und Blasgeräten mit einer Spezialcreme eingerieben. Eine aus zwölf Experten aus aller Welt bestehende Jury beurteilt anschließend Originalität, Farbspiel, Farbzusammensetzung, Größenproportionen, Technik sowie die Anzahl der verwendeten Ballonarten.

Der laut Christiane Heitmann „schrecklichste Augenblick überhaupt“ folgt nach dem Ende der zweitägigen, von 10.000 Besuchern frequentierten Ausstellung: Weil das Hotel Hilton Platz braucht und die Gebilde nicht mitgenommen werden können, werden die Skulpturen von ihren Erzeugern mit Nadeln wieder zerstört: „Da stecken so viel Herzblut, jede Menge Ideen und Übungsstunden drin. Aber es geht ja nicht anders. Innerhalb von 30 Minuten sind 32.000 Luftballons platt“.

Unabhängig vom Abschneiden will das Team Germany mit Kiki Heitmann in vier Jahren übrigens wieder an den Start gehen.

 

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