Baumbestattung unter der Rosskastanie
Bild: Dinkels
Bei Führungen über den Friedhof erläutert die Verwaltungsleiterin Susanne Laab das Konzept der Baumbestattungen. Im Hintergrund ist der erste Standort unter einer Rosskastanie zu sehen.
Bild: Dinkels

Friedhofsleiterin Susanne Laab übernimmt die Führung. Der Weg führt über die Hauptallee des um 1900 angelegten neuen Stadtfriedhofs. Nach 50 Metern biegt Laab rechts ab. Inmitten der Reihengräber steht eine noch unbelaubte Rosskastanie, die von einer kleinen Rasenfläche umgeben ist. Sie ist der erste von mehreren Standorten, die bisher ins Auge gefasst wurden und nach und nach entwickelt werden sollen.

Seit im Gemeindebrief die neue Form der Bestattung angekündigt wurde, hat die Friedhofsleiterin schon viele Nachfragen erhalten. Auf dem Johannesfriedhof würden bereits Urnengemeinschaftsgrabanlagen sowie Urnengräber in einem Waldstück angeboten. „Warum nicht auch auf dem Stadtfriedhof?“, habe man sich gefragt und mit den Planungen begonnen, sagt Laab im Gespräch mit der „Glocke“.

Auch bei der Baumbestattung handelt es sich um eine Gemeinschaftsgrabanlage. Unter der Rosskastanie haben bis zu acht Urnen Platz, die in einem Raster gesetzt werden. Namen und Lebensdaten der Gestorbenen finden sich auf zu einer Stele angeordneten Ringen wieder, auf Wunsch auch paarweise. Einen Bezug zu einer bestimmten Bestattung gibt es nicht.

„Möglichkeiten, um Kränze oder andere Trauerzeichen abzulegen, wird es an vorgegebenen Stellen in den Grabanlagen geben“, erläutert die Friedhofsleiterin. Es werde auch Flächen für das Aufstellen von Kerzen geben. Das Konzept diene dem Schutz des Baums, der durch allzu intensives Begehen im nahen Wurzelbereich beeinträchtigt würde, so Laab.

Der Vorteil einer Gemeinschaftsanlage: Grabgestaltung und Pflege werden durch die Friedhofsgärtnerei gewährleistet und müssen nicht von Angehörigen übernommen werden. Das hat natürlich seinen Preis. Ein Urnengrab kostet 2220 Euro für einen Zeitraum von 25 Jahren. Zum Vergleich: Der Preis für ein herkömmliches Urnengrab beträgt 587,50 Euro für 25 Jahre. Die Namenszeichen sind vorgegeben und bei der Friedhofsverwaltung zu beantragen.

Besonders wichtig ist den Paaren bei der Führung, nebeneinanderliegende Gräber zu bekommen, auch wenn der eine Partner den anderen um Jahre überleben sollte. Das sei kein Problem, sagt Laab. Reservierungen seien möglich. Allerdings müsse der Differenzzeitraum gleichsam nachgekauft werden. Auch unterschiedliche Konfessionen seien kein Hindernis. Man müsse den Realitäten Rechnung tragen, sagt die Friedhofsleiterin.

Zusätzlich sollen Bänke aufgestellt werden, die ein längeres Verweilen ermöglichen. Da es sich um teures Mobiliar handele, können sie auch gespendet werden, heißt es. Die Verwaltung stellt Bänke nur an besonders exponierten Stellen auf.

„Wir haben noch weitere Standorte geplant“, sagt Laab und dirigiert die Besucher weiter über den Friedhof.

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